Als Frau in Kabul – für die Frauen in Afghanistan
Seit Juni 2025 arbeitet Pamela Stathakis als Programmverantwortliche und stellvertretende Leiterin im Humanitären Büro der Schweiz in Kabul, Afghanistan. Wie es ist, an einem Compound mit vier anderen Menschen zu leben – und warum die Arbeit und das Land so spannend sind, dass sie ihren Vertrag verlängert hat.

Pamela Stathakis’ Arbeitsweg von der Wohnung zum Büro ist sehr kurz. Denn die stellvertretende Leiterin des Humanitären Büros für Afghanistan wohnt und arbeitet im Schweizer «Compound» – einem abgeschlossenen, gesicherten Areal – in Kabul. Pamela ist direkt neben dem Bürogebäude untergebracht, das sie durch eine Tür in der Gartenmauer erreicht. Und weil ihr Schlafzimmer nahe beim Büroeingang liegt, ist der Arbeitsbeginn des Sicherheitspersonals um 5.30 Uhr ihr «Weckruf».
Spätestens um 8:00 Uhr beginnt ihr Arbeitstag. Besonders im Winter wird früh gestartet, weil die zehn Lokalangestellten bereits um 16 Uhr den Heimweg vor dem Eindunkeln antreten müssen. Der Tag ist «vollgetaktet» mit Sitzungen und Besprechungen. Zu Mittag wird in der hauseigenen Kantine gegessen. Nach Feierabend zwischen 18 und 19 Uhr geht es wieder durch die Gartenmauer.
Ein sehr eingeschränktes Compound-Leben
Wohnen, Arbeit, Freizeit: Das Leben für die fünf Schweizer Mitarbeitenden spielt sich auf engstem Raum ab. Leben im Compound und in Afghanistan ist eine Herausforderung. Um den Block joggen, ein Café-Besuch, im Bazar shoppen? Geht aus Sicherheitsgründen nicht. Wenn sie abends zum UNO-Compound eingeladen sind, müssen sie bis 21.30 Uhr zurück sein. Ein Ausflug am Wochenende? Geht ebenfalls nicht.
Türen, die auf- und wieder zugehen
Drei der zehn lokalen Mitarbeitenden sind Frauen. Pamela findet es «sehr schön, dass unser Büro afghanischen Frauen ein Umfeld bietet, in dem sie ihre professionellen Fähigkeiten anwenden können. Solche Räume sind heute selten in Afghanistan.» Die Unterstützung für afghanische Frauen ist denn auch einer der drei Schwerpunkte des Humanitären Büros in Afghanistan. Obwohl die Möglichkeiten für Frauen sehr beschränkt sind, dürfen sie beispielsweise ein Geschäft führen. Das ist eine der Türen, die für Frauen offenbleibt, auch wenn andere Türen zugehen. Deshalb unterstützt die DEZA Frauen unter anderem mit finanziellen Starthilfen beim Aufbau eines kleinen Unternehmens. Dieses wichtige Projekt wird in Zusammenarbeit mit UN Women umgesetzt.
Bisher konnte Pamela von der Schweiz finanzierte Projekte (siehe Info-Box) in den Provinzen Bamyan und Kandahar besuchen. Dort traf sie auch Frauengruppen und von Frauen geführte Organisationen. Dass Frauen NGOs gründen dürfen, ist eine weitere dieser «Türen». «Das bietet ihnen einen Weg, um zu arbeiten, rauszukommen und andere Frauen zu treffen. Aber der Direktor der Organisation muss ein Mann sein.» Als Frau kann Pamela mit den afghanischen Frauen ins Gespräch kommen, sie in ihren Arbeitsateliers besuchen und sich vom Erfolg des Projekts überzeugen. «Dank dieser Strukturen können sie raus und andere Frauen treffen. Dies trägt wesentlich zu ihrer mentalen Gesundheit bei. Sonst würden sie 24 Stunden zuhause sein.»
Es ist diese Komplexität, und die Suche nach diesen «Türen, die Pamela an ihrer Arbeit in Afghanistan so fasziniert. An Herausforderungen und Quellen des Frusts mangelt es zwar nicht, aber gerade wegen «der Nischen, die es möglich machen, für Frauen etwas zu bewirken», findet sie das Land «unglaublich spannend» - und hat deshalb entschieden, ihren Vertrag voraussichtlich zu verlängern. Bis dann wird sie an den Wochenenden mit ihren Mitbewohnern im Compound noch einige Filme schauen, mit möglichst vielen Frauen ins Gespräch kommen und nach sich öffnenden Türen Ausschau halten.
Die 25 Millionen CHF an Schweizer Mittel für Afghanistan gehen zu einem Teil in Fonds, die von der Weltbank und der OCHA für Projekte verwendet werden. Ungefähr ein Viertel fliesst direkt an UN-Partner, darunter UN Women, welches v.a. Projekte für Frauen umsetzt. Ein Teil geht an internationale oder lokale NGOs, auch von Frauen geführte, was eine direkte Zusammenarbeit mit Frauen ermöglicht. In Afghanistan sind 24 Millionen Menschen auf humanitäre Hilfe angewiesen. Ein Teil der Schweizer Unterstützung geht auch an das IKRK, das humanitäre Projekte umsetzt.
Kontakt
Eichenweg 5
3003 Bern