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MitteilungVeröffentlicht am 5. September 2024

Daten über Schnee und Eis zur Stärkung der Klimaresilienz in den Berggebieten Zentralasiens

Berggebiete beherbergen einen Fünftel der Weltbevölkerung, versorgen die Hälfte der Menschheit mit Wasser – und sind besonders stark vom Klimawandel betroffen. In Zentralasien steigt das Risiko von Naturkatastrophen und Wasserknappheit, weil Schnee und Gletscher schmelzen und der Permafrostboden taut. Die DEZA unterstützt die Region mit Projekten wie CROMO-ADAPT, das zu einem besseres Verständnis dieser Vorgänge und der notwendigen Anpassungen beiträgt.

Die Gebirgsketten Zentralasiens erstrecken sich über Kasachstan, Kirgisistan, Tadschikistan, Turkmenistan und Usbekistan. Fast 90 Prozent der Bevölkerung in dieser Region sind auf Wasser aus den Bergen angewiesen. Doch der Klimawandel bringt Gletscher und Schneereserven zum Schmelzen und hat damit substanzielle Auswirkungen auf die Verfügbarkeit von Wasser und die Entstehung von Naturgefahren. Diese Entwicklungen bedrohen oft ganze Bergregionen und die Lebensgrundlage vieler Menschen.

Zur Bewältigung der Folgen des Klimawandels in Berggebieten sind Beobachtungsdaten unerlässlich: Daten aus diesen entlegenen Gebieten ermöglichen es, die Überwachung und das Wasser- und Katastrophenmanagement entsprechend anzupassen. Die Schweiz hat viel Erfahrung sowohl mit den Herausforderungen als auch mit den Chancen einer nachhaltigen Entwicklung in den Alpen. Sie fördert den Wissenserwerb, den Dialog und den Informations- und Erfahrungsaustausch zwischen den Akteuren auf allen Ebenen. Das Programm «Cryospheric Observation and Modelling for improved Adaptation in Central Asia (CROMO-ADAPT)» der Universität Freiburg und des Instituts für Schnee- und Lawinenforschung SLF ist ein gutes Beispiel dafür.

Fundierte wissenschaftliche Daten für genauere Prognosen

Schmelzwasser aus Schnee und Gletschern sorgt dafür, dass der Pegelstand von Flüssen auch in trockenen Sommern nicht allzu stark sinkt. Entsprechend steigt mit dem Rückgang der Gletscher und des Permafrostbodens das Risiko von Naturkatastrophen. Die Eindämmung dieser Risiken hat für die Berggebiete eine sehr hohe Priorität. Das Klimabeobachtungssystem in Zentralasien weist jedoch Lücken auf, und es fehlt an Daten, mit denen die lokalen Akteure aus Wissenschaft und Politik die Wasserressourcen besser bewirtschaften und das Risiko von Naturkatastrophen reduzieren könnten. Für die lokale Bevölkerung hat dies direkte Folgen, zum Beispiel für die Landwirtschaft, da es wichtig wäre, Dürreperioden frühzeitig zu erkennen und das richtige Saatgut für die künftigen klimatischen Bedingungen auszuwählen. Seit 2011 engagiert sich die DEZA in der Region mit dem Ziel, einen Beitrag zu soliden wissenschaftlichen Daten zu leisten.

«Im Rahmen von CROMO-ADAPT sammeln wir Felddaten in Zentralasien und erstellen damit wissenschaftliche Modelle. Diese helfen den lokalen Verantwortlichen, besser zu planen und sich auf die klimatischen Herausforderungen vorzubereiten», erklärt Martin Hoelzle, Leiter des Projekts CROMO-ADAPT an der Universität Freiburg.

Mit diesem Projekt erhält die lokale wissenschaftliche Gemeinschaft Zugang zu zuverlässigen Daten, da eine qualitativ gute öffentliche Datenbank aufgebaut wird. Diese beinhaltet essenzielle Klimavariablen, d. h. Schlüsselparameter, die zur Überwachung und Analyse des Klimawandels verwendet werden, wie Lufttemperatur, Niederschläge und Entwicklung des Permafrostbodens. Die Klimavariablen werden mit vielfältigen Instrumenten und Methoden gemessen, häufig durch eine Kombination aus Feldbeobachtungen und Satellitendaten. Mit diesen wichtigen Variablen kann die Wissenschaft abschätzen, wie sich das Klima langfristig ändern wird, und für die politischen Verantwortlichen und die lokalen Gemeinschaften wirkungsvolle Massnahmen und Strategien zur Anpassung an den Klimawandel erarbeiten.

Ein weiteres Ziel des Projekts betrifft die Ausbildung von Nachwuchsforschenden und den Aufbau relevanter Expertise in der wissenschaftlichen Gemeinschaft. Joel Fiddes, Mitarbeiter für CROMO-ADAPT beim SLF, sagt dazu: «Der Kapazitätsaufbau bei jungen Forschenden und künftigen Generationen ist ein entscheidendes Element der Nachhaltigkeit. Denn sie werden diese Arbeit weiterführen, wenn sie gut vorbereitet sind und Verantwortung übernehmen können. Ein weiterer wichtiger Aspekt der langfristigen Nachhaltigkeit ist die Infrastruktur mit entsprechenden Geräten.»

Lokales Projekt für globale Herausforderungen

CROMO-ADAPT bezweckt zwar den Aufbau von Kapazitäten in den zentralasiatischen Berggebieten, erzielt aber auch eine globale Wirkung, indem es dem Zwischenstaatlichen Ausschuss für Klimaänderungen (IPCC) der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) wertvolle Daten zur Verfügung stellt. Die Hauptaufgabe des IPCC besteht darin, wissenschaftliche Erkenntnisse über den Klimawandel, seine Ursachen und Auswirkungen sowie über Strategien zur Abschwächung und Anpassung zu evaluieren. Diese Evaluationen sind für fundierte Entscheide der Verantwortlichen beim internationalen Austausch über Klimathemen zentral.

Bolot Moldobekov, Co-Direktor des Central Asian Institute for Applied Geosciences in Kirgisistan und Mitarbeiter des Projekts, erklärt dazu: «Der Fokus bei CROMO-ADAPT liegt zwar auf der Region Zentralasien, aber das Projekt befasst sich auch mit globalen klimatischen Herausforderungen, da der Klimawandel schon immer global erfolgte und dies auch in Zukunft der Fall sein wird, wenn auch mit gewissen Besonderheiten je nach Weltregion. Daher werden die Auswirkungen und Ergebnisse des Projekts CROMO-ADAPT weltweit von Nutzen sein, wenn es darum geht, ähnliche Probleme wie in unserer Region anzugehen und zu lösen.»

In der Schweiz haben die sintflutartigen Regenfälle in den Alpenkantonen Tessin und Wallis kürzlich verheerende Erdrutsche und Überschwemmungen ausgelöst. Ganze Täler wurden abgeschnitten und wichtige Infrastrukturen beschädigt. Tragischerweise haben diese Katastrophen auch Menschenleben gefordert. Die Ereignisse haben bestätigt, dass Überwachungs- und Forschungsarbeiten auch künftig eine Schlüsselrolle zukommen wird, sowohl für ein besseres Verständnis der laufenden Veränderungen in Gebieten mit ewigem Eis als auch für Anpassungsmassnahmen zur Reduktion der Gefahren für die Ökosysteme und die Menschen.

Das Projekt CROMO-ADAPT zeigt zudem, wie wichtig es ist, in Zusammenarbeit mit verschiedenen Instituten zuverlässige wissenschaftliche Daten bereitzustellen und regionale Klimaszenarien sowie Dienstleistungsangebote in den Bereichen Wasser- und Katastrophenmanagement zu entwickeln. Durch den Aufbau lokaler Kapazitäten und eine Sensibilisierung für die Folgen des Klimawandels werden diese Anstrengungen zur Nachhaltigkeit der Datenerhebungssysteme und zur regionalen, aber auch zur globalen Klimaresilienz beitragen.

Adventure for Science: inspirierende Expeditionen für Forscherinnen von morgen

CROMO-ADAPT leistet auch einen Beitrag zur Geschlechterinklusion. Denn die Nachhaltigkeit dieses Projekts hängt auch von der Ausbildung junger Wissenschaftlerinnen ab. Die Glaziologinnen Martina Barandun und Marlene Kronenberg initiierten 2019 gemeinsam das Programm «Adventure for Science: Women and Glaciers in Central Asia», das Teil des Projekts CROMO-ADAPT ist. Inspiriert von der Energie der jungen Frauen, denen sie in Zentralasien begegneten, entwickelten sie ein zweiwöchiges Schulungsprogramm, das sich an Mädchen in der Region richtet. Das Programm fördert die Partizipation und Vielfalt in den Feldwissenschaften sowie integrative, künstlerische und solidarische wissenschaftliche Aktivitäten im Freien.

Martina Barandun erklärt: «Das Programm ist nicht nur als kurzfristige Bildungserfahrung gedacht, sondern als langfristig wirksame Initiative und Beitrag zur Nachhaltigkeit. Es soll junge Frauen motivieren und inspirieren, eine Karriere in diesem Bereich anzustreben, und nicht nur eine zeitlich begrenzte Ausbildung bieten.» So wird der Weg für Expertinnen auf dem Gebiet der Kryosphäre geebnet, lokale und internationale wissenschaftliche Netzwerke werden bereichert und weitere zuverlässige Daten und Analysen bereitgestellt.

Weitere Informationen zum Projekt (Englisch)

Kontakt

Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA)
Eichenweg 5
3003 Bern