Erdbeben in Venezuela: Humanitäre Hilfe der Schweiz – eine Rückschau
Zwei Erdbeben forderten am 24. Juni 2026 in Venezuela mehr als 6000 Todesopfer und verursachten grosse Zerstörung. Die venezolanischen Behörden lancierten einen internationalen Hilfsappell. Die DEZA entsandte sofort die Rettungskette Schweiz. Mitglieder des Schweizerischen Korps für humanitäre Hilfe und Fachleute aus der Region führten die Nothilfe fort. Rückschau auf die humanitäre Hilfe der Schweiz.
Am Mittwoch, 24. Juni 2026, erschütterte um 18.04 Uhr Ortszeit ein Erdbeben der Stärke 7,2 den Nordwesten Venezuelas. Das Epizentrum lag rund 100 Kilometer westlich von Caracas. Kurz danach folgte ein zweites Erdbeben der Stärke 7,5 in 45 Kilometer Entfernung. Letzteres war das stärkste seismische Ereignis im Land seit über hundert Jahren. Angesichts des Ausmasses der Katastrophe lancierten die venezolanischen Behörden einen internationalen Hilfsappell.
Einsatz der Rettungskette Schweiz
Bereits am nächsten Tag ordnete der Delegierte des Bundesrates für humanitäre Hilfe, Dominik Stillhart, den Einsatz der Rettungskette Schweiz an. Achtzig Expertinnen und Experten sowie acht Suchhunde flogen noch in der Nacht nach Venezuela. Die Rettungskette Schweiz gehörte zu den ersten nicht lateinamerikanischen Rettungsteams, die in den betroffenen Gebieten eintrafen. In Absprache mit den lokalen Behörden errichteten die Mitglieder der Rettungskette ihre Einsatzbasis in La Guaira. Die Küstenstadt war besonders stark von der Katastrophe betroffen.
Während rund einer Woche suchten die Schweizer Rettungskräfte bei grosser Hitze und Luftfeuchtigkeit Verschüttete. Die internationale Solidarität war gross: Rund fünfzig weitere Teams waren aus dem Ausland angereist, um die lokalen Hilfsorganisationen zu unterstützen.

Obwohl die Suchexpertinnen und -experten keine Menschen lebend bergen konnten, durften betroffene Familien dank des Einsatzes der Rettungskette Schweiz die Leichen ihrer Angehörigen entgegennehmen und um sie trauern. Die Arbeit der Rettungskette Schweiz entlastete zudem die nationalen Behörden, die sich auf andere lebenswichtige Massnahmen zugunsten der Überlebenden der Katastrophe konzentrieren konnten.
Die Schweizer Botschaft in Caracas war von Anfang an involviert und arbeitete eng mit dem Krisenstab des venezolanischen Zivilschutzes zusammen. Diese Präsenz erleichterte nicht nur die Anreise der Rettungskette, sondern auch die Vorbereitung der weiteren Hilfsmassnahmen nach der Rettungsphase.
Verstärkung aus der Schweiz und aus den Nachbarstaaten
Die DEZA entsandte nach und nach 18 Mitglieder des Schweizerischen Korps für humanitäre Hilfe (SKH) nach La Guaira. Dort schlossen sich ihnen mehrere Mitglieder des regionalen Soforteinsatzteams (Grupo de Intervención y Apoyo Rápido, GIAR) an. Dieses Netzwerk von humanitären Fachleuten aus mehreren Schweizer Botschaften in Lateinamerika wurde von der DEZA gegründet und kann bei solchen Krisensituationen mobilisiert werden. Es kann während einer Mission, wie nach dem Erdbeben in Venezuela, auch externes Know-how beiziehen.

Das gesamte Team unterstützte die venezolanische Bevölkerung rund einen Monat lang in den Bereichen Mütter- und Kindergesundheit, Trinkwasserversorgung und sanitäre Grundversorgung. Ein weiteres Ziel war der Schutz von Frauen und Kindern und die Wiederherstellung der Lebensgrundlagen.
Bilanz des Einsatzes:
Trinkwasserversorgung und sanitäre Grundversorgung
In La Guaira nahmen die Lager César Nieves und Mare Abajo mehr als 9000 Menschen auf, die ihre Unterkunft verloren hatten. Die Schweizer Helferinnen und Helfer installierten mobile Toiletten, Duschen, Handwaschstationen und Trinkwassertanks.
Die Expertinnen und Experten des SKH und des GIAR erklärten lokalen Fachkräften die Chlorierung und die Qualitätsprüfung von Trinkwasser. So konnte bei allen Trinkwasserabgabestellen in den betroffenen Gebieten eine systematische Wasseraufbereitung sichergestellt werden. Diese Massnahmen werden mittlerweile von den venezolanischen Behörden umgesetzt und sorgen für eine bessere Trinkwasserversorgung für rund 160 000 Menschen.

Gesundheitsversorgung für Mütter und Kinder
In La Guaira ist das Krankenhaus Rafael Medina Jiménez nur noch zu 15 Prozent funktionsfähig, weil zahlreiche Mitarbeitende bei den Erdbeben ums Leben kamen. Die DEZA setzte mit Gesundheitsfachleuten und Spezialmaterial ihr Modul «Mütter und Kinder» um. Dabei wurden Neugeborene und Kleinkinder medizinisch versorgt und mehr als 225 Konsultationen durchgeführt. Die Expertinnen und Experten schulten ausserdem lokales Pflegepersonal in den Bereichen Patiententriage und Ultraschalluntersuchung. Dank dieser Zusammenarbeit wurden die fachlichen Kapazitäten des grössten Spitals in der Region gestärkt.

Schutz der am stärksten gefährdeten Personen und Deckung der Grundbedürfnisse
In Zusammenarbeit mit der NGO International Rescue Committee ergriff die DEZA Massnahmen zum Schutz von mehr als 8000 Frauen, Jugendlichen und Kindern, die die Katastrophe überlebt haben. Sie erhielten Zugang zu wichtigen Betreuungsangeboten wie Traumabewältigung und Schutz vor geschlechtsspezifischer Gewalt. Im Rahmen des Projekts wurden ausserdem die Gemeinschaften bei der Einführung von Massnahmen unterstützt, die das Wohl besonders vulnerabler Menschen sicherten. Schliesslich unterstützte die DEZA auch ein Projekt der Caritas Venezuela zur finanziellen Unterstützung von über 2800 Personen, bei der Katastrophe ihre Lebensgrundlagen verloren haben.

Insgesamt gab die DEZA 3,5 Millionen Franken für die Hilfsaktion in Venezuela aus.

«Eine Erdbeben-Frühwarn-App kann 10 bis 30 Prozent der Opfer vermeiden.»
ETH-Wissenschaftler John Clinton erklärt, weshalb die von der DEZA unterstützten Erdbeben-Frühwarnsysteme in Zentralamerika zu den modernsten der Region gehören.
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