Genf ist Gastgeberin der Global Platform for Disaster Risk Reduction (GPDRR)
Naturgefahren nehmen weltweit zu – mit teils katastrophalen Folgen. Die Schweiz ruft deshalb zur internationalen Zusammenarbeit auf und richtet vom 2. bis 6. Juni 2025 in Genf die wichtigste globale Konferenz zur Katastrophenvorsorge aus. Im Fokus: wirksame Prävention, Frühwarnsysteme und widerstandsfähige Infrastrukturen.

Naturgefahren wie Starkregen, Überschwemmungen oder Hitzewellen nehmen weltweit spürbar zu – in Häufigkeit wie in Intensität. Die Schweiz ist von dieser Entwicklung nicht ausgenommen. Auch wenn die Ursachen noch unklar sind, macht der massive Felssturz und Gletscherabbruch, durch den letzte Woche nahezu ein ganzes Dorf im Wallis verschüttet wurde, deutlich, wie wichtig funktionierende Frühwarnsysteme, koordinierte Krisenstrukturen und präventive Massnahmen sind, um Menschenleben zu schützen und Schäden zu begrenzen – auf lokaler wie internationaler Ebene.
Trotz Fortschritten, etwa bei der Reduktion der Opferzahlen, bleibt die Gesamtsituation alarmierend: Weltweit verursachen Extremereignisse jährlich rund 200 Milliarden US-Dollar an direkten wirtschaftlichen Verlusten. Zählt man indirekte Schäden wie Produktionsausfälle, Infrastrukturfolgen, soziale und ökologische Auswirkungen hinzu, liegt die Gesamtsumme laut Schätzungen des UN-Büros für Katastrophenvorsorge (UNDRR) bei über 2,3 Billionen US-Dollar pro Jahr. Diese Zahlen machen deutlich: Ein Umdenken in Richtung Prävention statt Reaktion ist dringend notwendig.
Naturgefahren sind unvermeidlich – Katastrophen nicht
Prävention ist denn auch ein zentrales Prinzip der Katastrophenvorsorge. Ob ein Erdbeben, ein Sturm oder eine Dürre zur Katastrophe wird, hängt entscheidend von der Verwundbarkeit von Gesellschaften und Infrastrukturen ab. Investitionen in Prävention lohnen sich mehrfach: Laut UNDRR kann jeder in widerstandsfähigere Infrastruktur investierte Franken bis zu vier Franken an Wiederaufbaukosten sparen. Insgesamt können durch eine Investition von einem Franken bis zu sieben Franken an Kosten im Nachgang zu einer Katastrophe eingespart werden.
In diesem Sinne hat die internationale Staatengemeinschaft 2015 den Sendai-Rahmen für Katastrophenvorsorge verabschiedet. Dieses globale Aktionsprogramm definiert klare Ziele zur Reduktion von Katastrophenrisiken. Da aber nach wie vor weltweit nur ein Bruchteil der nötigen Investitionen in Katastrophenvorsorge getätigt werden, fällt die Bilanz zehn Jahre später gemischt aus.

Genf wird vom 2. – 6. Juni zum globalen Zentrum der Katastrophenvorsorge
Bundesrat Ignazio Cassis eröffnet am 3. Juni 2025 in Genf die 8. Ausgabe der Global Platform for Disaster Risk Reduction (GPDRR). Die Schweiz ist Gastgeberin dieses weltweit wichtigsten Forums im Bereich der Katastrophenprävention. DEZA-Direktorin Patricia Danzi wird gemeinsam mit dem UN-Sonderbeauftragten für Katastrophenvorsorge, Kamal Kishore, die Konferenz leiten, welche auch die Umsetzung des Sendai-Rahmens evaluiert.
Über 4’000 Teilnehmende aus Regierungen, internationalen Organisationen, Wissenschaft, Privatwirtschaft und Zivilgesellschaft kommen eine Woche lang in Genf zusammen, um Erkenntnisse zu teilen, Risiken besser zu verstehen und konkrete Massnahmen zu diskutieren. Im Mittelpunkt stehen Themen wie Frühwarnsysteme, klimaresiliente Infrastrukturen und der Schutz besonders gefährdeter Bevölkerungsgruppen.
Die GPDRR 2025 in Genf bietet eine wichtige Gelegenheit, Bilanz zu ziehen, politische Verpflichtungen zu erneuern und den Fokus klar auf wirksame Vorsorge und internationale Zusammenarbeit zu legen – ganz nach dem diesjährigen Motto #ActForResilienceToday.
Die Schweiz spielt dabei eine zentrale Rolle: Dank jahrzehntelanger Erfahrung im Umgang mit Naturgefahren gilt sie international als Vorreiterin. Das internationale Genf, Sitz von UNDRR, versteht sich als globales Zentrum für Katastrophenprävention. Hier kommen internationale Zusammenarbeit, technologische Innovation und humanitäres Engagement zusammen. Dies ermöglicht es der Schweiz, aktiv die globale Agenda mitzugestalten. Zudem schafft es Impulse für Innovation, Forschung und nachhaltige Entwicklung im eigenen Land.
Konkret setzt sich die Schweiz als Gastgeberin der GP2025 für eine schnellere Umsetzung des Sendai-Rahmenwerks ein. Sie fordert mehr Investitionen in die Prävention und die Schliessung finanzieller Lücken bei der Risikominderung.

Weiter betont die Schweiz den Einbezug aller betroffenen Bevölkerungsgruppen und die Nutzung von naturnahen Lösungen. Diese Anliegen sollen in das Abschlusspapier der Konferenz einfliessen, an dessen Erarbeitung die Schweiz aktiv mitwirkt.
Zusätzlich werden die Teilnehmenden die Gelegenheit haben, konkrete Initiativen zur Katastrophenvorsorge in der Schweiz zu besuchen. Dadurch werden Gemeinde- und kantonale Initiativen direkt auf globale Ebene getragen und können das Erreichen der Ziele des Sendai-Rahmens positiv beeinflussen.
Was die Schweizer Entwicklungszusammenarbeit beiträgt
Die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) setzt weltweit auf Prävention: Statt nur auf Katastrophen zu reagieren, will sie Risiken frühzeitig erkennen und verringern. Gemeinsam mit Partnerländern fördert sie langfristige Strategien, um Gemeinschaften widerstandsfähiger gegenüber Naturgefahren zu machen.
Im Fokus stehen lokal angepasste Frühwarnsysteme, klimaresistente Infrastruktur, der Einbezug der Bevölkerung – besonders von Frauen und benachteiligten Gruppen – sowie der Austausch von Wissen mit lokalen und internationalen Partnern. In Ländern wie Nepal, Mosambik oder Haiti unterstützt die DEZA den Aufbau von Notfallplänen, die Integration von Risikoanalysen in die Stadtplanung und Katastrophenschutzteams.
Mit ihrem ganzheitlichen Ansatz verbindet die Schweiz staatliche, wissenschaftliche und zivilgesellschaftliche Akteure – und macht Katastrophenvorsorge zu einer gemeinsamen Aufgabe. Dieses Verständnis prägt auch ihr Engagement in multilateralen Prozessen wie der GPDRR in Genf.

Klima, Katastrophenvorsorge und Umwelt
Die Programme der DEZA in den Bereichen Klima, Katastrophenvorsorge und Umwelt fokussieren darauf, den Klimawandel durch zielgerichtete, nachhaltige Praktiken zu bekämpfen.

Satelliten-Frühwarnsystem für Naturgefahren
Satelliten-Frühwarnsystem für Naturgefahren SLF-Forschende schulen indisches Fachpersonal, mit Satellitendaten und Computermodellen drohende Naturgefahren und potenziell betroffene Gebiete zu erkennen. Ziel ist, Naturgefahrenprozesse im Himalaya besser zu modellieren und Katastrophen vorzubeugen.

Wo Lebensgrundlagen zerstört werden, müssen Menschen fliehen
Entwicklungszusammenarbeit schützt vom Klimawandel bedrohte Lebensräume. Die DEZA unterstützt Projekte weltweit.
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