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MitteilungVeröffentlicht am 7. Januar 2026

Helfen, wo die Not am grössten ist: das Schweizer Engagement im Rahmen des Humanitären Fonds für Afghanistan

Die humanitäre Situation in Afghanistan ist durch strukturelle und systemische Herausforderungen geprägt. Dazu gehören fehlende grundlegende Dienstleistungen, eine angespannte Wirtschaftslage und wiederkehrende Klima- und Naturereignisse wie Überschwemmungen, harte Winter und Dürren. Im Jahr 2025 waren rund 22,9 Millionen Menschen auf humanitäre Hilfe angewiesen. Die Beiträge der Schweiz zum Humanitären Fonds für Afghanistan gewährleisten, dass die humanitäre Hilfe diejenigen erreicht, die sie am dringendsten benötigen.

Mädchen in Afghanistan lesen in einem dunklen Raum in ihren Büchern.

Nach Jahrzehnten des Konflikts steht Afghanistan weiterhin vor großen wirtschaftlichen und ökologischen Herausforderungen, die die Widerstandsfähigkeit der Gemeinschaften und ihre Bewältigungsmechanismen schwächen. Gleichzeitig erhöht die langsame, aber stetige Umsetzung von Gesetzen und Vorschriften durch die De-facto-Behörden die Risiken für Frauen, Mädchen und andere gefährdete Gruppen und erschwert die Bereitstellung humanitärer Hilfe zusätzlich. Im März 2025 bekräftigte die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit DEZA ihr Engagement für die Menschen in Afghanistan, indem sie ihr humanitäres Büro in Kabul wieder eröffnete. Dies ermöglicht ein wirksames, effizientes und rechenschaftspflichtiges Engagement mit Gemeinschaften und Partnern, um dringende Bedürfnisse zu decken und die Widerstandsfähigkeit langfristig zu fördern.

Der Humanitäre Fonds für Afghanistan (Afghanistan Humanitarian Fund, AHF), ein vom Amt der Vereinten Nationen für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten (OCHA) verwalteter humanitärer Länderfonds (Country-Based Pooled Fund, CBPF), ist seit mehr als einem Jahrzehnt ein bedeutender Partner der humanitären Hilfe der Schweiz in Afghanistan. Der AHF stellte allein in den letzten drei Jahren mehr als 243 Millionen US-Dollar zur Unterstützung lokaler humanitärer Organisationen bereit, die in ganz Afghanistan wichtige Hilfe für Bedürftige leisten. Die Schweiz steuerte 15 Millionen US-Dollar zum Fonds bei.

Ein zuverlässiger strategischer Fonds

Länderfonds werden eingerichtet, wenn eine Krise eintritt oder wenn sich eine bestehende Krise verschärft. Sie unterstützen humanitäre Organisationen – internationale und lokale Nichtregierungsorganisationen (NGO) sowie UNO-Organisationen wie das Welternährungsprogramm (WFP) – mit Beiträgen zuhanden der betroffenen Gemeinschaften. Ein übergeordnetes Ziel der Schweiz und dieser Länderfonds ist es, mehr lokale und nationale NGO mit direkten Mitteln zu fördern und zu unterstützen. Im Jahr 2024 stärkte der AHF die humanitäre Hilfe, indem er 27 Prozent seiner Mittel direkt oder indirekt für nationale NGO-Partner bereitstellte und interaktive Schulungen für 120 Partner, darunter 66 nationale Organisationen, anbot. Dies gewährleistet eine effiziente humanitäre Hilfe vor Ort und einen Ausbau der Kapazitäten lokaler und nationaler Partner, damit sie ihren Gemeinschaften selbst helfen können.

Der 2014 eingerichtete und vom OCHA verwaltete AHF ist ein wirksames und effizientes Instrument sowie ein Hoffnungsschimmer für die Menschen, die einerseits mit den Folgen von über 40 Jahren Konflikt und andererseits mit Naturkatastrophen und Vertreibung klarkommen müssen. Der AHF unterstützte in den letzten zehn Jahren etliche lokale NGO und Frauenorganisationen, um die am stärksten betroffenen Gemeinschaften Afghanistans zu stärken. Afghanische Frauen sind heute strengen Vorschriften unterworfen, die ihre Teilnahme am öffentlichen Leben und auch am humanitären Engagement einschränken.

Kinder sitzen auf dem Boden in einem Klassenzimmer.

Afghanistan leidet seit Jahrzehnten unter anhaltenden Konflikten, Unterentwicklung und Armut. In jüngster Vergangenheit kam noch Covid-19-Pandemie dazu. Dies führte zu einer weiteren Krise: Hunger. Eine Analyse für das Jahr 2025 hat ergeben, dass mehr als 12,6 Millionen Menschen – fast ein Drittel der Bevölkerung Afghanistans – von akuter Ernährungsunsicherheit gemäss der Integrierten Phasenklassifikation zur Ernährungssicherheit betroffen sind. Es besteht also dringender Handlungsbedarf. Der AHF finanzierte Projekte in den Bereichen Ernährungssicherheit und Landwirtschaft, mit welchen 1,2 Millionen Menschen im ganzen Land erreicht wurden.

Bekämpfung von Unterernährung in abgelegenen Dörfern

Angesichts des hohen Bedarfs an Ernährungshilfe in der Provinz Nangarhar lancierte die Schweizer NGO Terre des hommes 2024 ein vom AHF finanziertes Ernährungsprojekt. Ziel ist es, die Bevölkerung für die Prävention von Unterernährung und die Behandlung von schwerer und mittelschwerer akuter Unterernährung bei Kindern und Frauen zu sensibilisieren. Eine der grössten Herausforderungen in dieser Provinz war das fehlende Angebot zur Behandlung mangelernährter Kinder und Frauen in den Dörfern, vor allem in abgelegenen Gebieten. Im Rahmen des Projekts bieten Fachleute Unterstützung für Familien an, die ihre Kinder oft in einem kritischen Zustand bringen. In den Gesundheitszentren der Dörfer werden die Kinder untersucht und behandelt, bis sie sich von der Unterernährung erholt haben. Das Projekt von Terre des hommes bietet nicht nur lebensrettende Hilfe, sondern informiert die Familien auch über Ernährung, Hygiene und Pflege von Kindern.

Dienstleistungen von und für Afghaninnen

Das Sakena Yacoobi Hospital in der Provinz Herat ist ein Beispiel für die Resilienz und das Engagement der afghanischen Frauen, die trotz der vielfältigen Herausforderungen nicht aufgeben. Dieses Spital, in dem nur Frauen arbeiten, bietet grundlegende Gesundheitsdienstleistungen an, die auf die besonderen Bedürfnisse von Frauen und Kindern in ländlichen Gebieten zugeschnitten sind. Das Angebot des vom AHF und der Weltgesundheitsorganisation (WHO) finanzierten Spitals reicht von der Schwangerenbetreuung bis hin zu psychiatrischen Dienstleistungen. Pro Monat werden 5000 bis 6000 Personen behandelt.

Eine Ärztin untersucht eine Patientin.

Dank der finanziellen Unterstützung des AHF leistete die afghanische Frauenrechtsorganisation AWRO mit ihrem mobilen Gesundheits- und Ernährungsteam lebensrettende Hilfe für Frauen mit schweren Geburtskomplikationen im abgelegenen Dorf Adina Masjid in der Provinz Badachschan im Nordosten des Landes. Frauen, die es nicht rechtzeitig in das nächstgelegene Gesundheitszentrum schafften, erhielten unter schwierigen Bedingungen geburtshilfliche Notfallversorgung und fachkundige Geburtshilfe. Eine Hebamme brachte die Kinder sicher zur Welt und rettete so das Leben von Müttern und Kindern. Das Team stellt lebenswichtige Medikamente bereit und berät die Frauen nach der Entbindung in Sachen Ernährung von Mutter und Kind sowie Gesundheits- und Hygienemassnahmen. Auf diese Weise wird der Zugang zur medizinischen Grundversorgung für Familien in schwer zugänglichen Gebieten der Provinz Badachschan verbessert.

Hebamme entbindet ein neugeborenes Kind.

Bewältigung von Mehrfachkrisen

Zu den bereits bestehenden Herausforderungen kamen 2025 weitere Krisen hinzu, die die Widerstandsfähigkeit der Bevölkerung erneut auf die Probe stellten. Zwischen Januar und August kehrten mehr als zwei Millionen Afghaninnen und Afghanen, die gewaltsam aus den Nachbarländern vertrieben worden waren, in ihre Heimat zurück, was zu akuten humanitären Bedürfnissen führte. Die meisten haben keine Papiere; sie haben ihre Ersparnisse und ihre Lebensgrundlagen verloren und sind aufgrund ihrer Erlebnisse traumatisiert. Da die Lebensgrundlagen in vielen Gebieten des Landes bereits stark unter Druck sind, wird die hohe Zahl der Rückkehrerinnen und Rückkehrer noch lange schwerwiegende demografische, wirtschaftliche und entwicklungspolitische Folgen haben.

Ausserdem leidet Afghanistan unter einer Dürre, von der 3,3 Millionen Menschen betroffen sind, und ist mit akuter Unterernährung, einem Mangel an Gesundheits- und anderen grundlegenden Dienstleistungen konfrontiert. Des Weiteren wurde die abgelegene Bergregion am 31. August 2025 von einem verheerenden Erdbeben heimgesucht. Beim Hauptbeben und den Nachbeben kamen fast 2000 Personen ums Leben, weitere 3600 wurden verletzt. Über 8500 Häuser, wichtige Infrastruktur und Ackerland wurden zerstört oder in Mitleidenschaft gezogen sowie viele Nutztiere getötet.

Die humanitären Herausforderungen und Bedürfnisse in Afghanistan sind nach wie vor gross, da viele Gemeinschaften keinen Zugang zu Gesundheitseinrichtungen haben und die Teilnahme der Frauen am öffentlichen Leben eingeschränkt ist. Die Schweiz engagiert sich weiterhin vor Ort, und der AFH ist ein wichtiges Instrument zur Unterstützung der betroffenen Gemeinschaften in Afghanistan und zur Förderung und Stärkung lokaler humanitärer Organisationen. Das Humanitäre Büro der Schweiz in Kabul setzt sich dafür ein, dass bedürftige Bevölkerungsgruppen in einem Land, in dem die Menschen seit Jahrzehnten unter Konflikten, Armut und Hunger leiden, Unterstützung erhalten, um ihre Grundbedürfnisse zu decken.

Kinder sitzen vor einer Notunterkunft.

Humanitäre Länderfonds

Der AHF ist ein humanitärer Länderfonds (Country-based Pooled Fund, CBPF) des OCHA. Die Beiträge der Geber werden in einem nicht zweckgebundenen gepoolten Fonds zusammengelegt, der für einen spezifischen humanitären Kontext bestimmt ist. Der Fonds setzt die Mittel im Rahmen eines integrativen und transparenten Prozesses wirkungsorientiert zur Unterstützung von Projekten mit hoher Priorität ein, die von Akteuren durchgeführt werden, die sich am besten dafür eignen (einschliesslich internationaler und nationaler NGO und UNO-Organisationen).

Unter der Leitung des OCHA und in enger Absprache mit Gebern und Partnern sorgen solche CBPF dafür, dass das Geld dorthin fliesst, wo die Not am grössten ist. In einer Zeit der weltweit knappen humanitären Mittel sind solche Fonds wichtiger denn je. Weil sie flexibel und unkompliziert sind, erhalten Menschen in Notfällen rasch Unterstützung. CBPF erhöhen die Wirksamkeit und verstärken die von lokalen Akteuren unternommenen Anstrengungen, indem sie örtliche Initiativen wie etwa die Frauenrechtsorganisation AWRO in Afghanistan unterstützen. Bei der laufenden Reform des globalen humanitären Systems spielen gepoolte Fonds eine wichtige Rolle. Die Schweiz setzt sich für die Nutzung solcher flexibler Finanzierungsinstrumente ein, um eine rasche und effiziente Zuteilung der Ressourcen in humanitären Kontexten zu gewährleisten.

Kontakt

Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA)
Eichenweg 5
3003 Bern