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MitteilungVeröffentlicht am 20. Oktober 2025

Kultur schafft Raum für Dialog – eine Grundlage für nachhaltigen Frieden

In Ruanda stärkt die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) Kultur als Motor für den friedlichen gesellschaftlichen Wandel. Kulturschaffende gestalten inklusive Räume für den Dialog und das friedliche Miteinander. Die DEZA fördert Kultur in von Konflikten bedrohten Gesellschaften.

Tournee der Theateradaption des Romans Petit Pays von Gaël Faye in Nyamata, Bugesera, im Juni 2025

Kunst öffnet Räume - für Dialog, Hoffnung und gesellschaftliche Heilung

Mitten in Nyamirambo, einem lebhaften Quartier in Kigali, befindet sich das Kulturzentrum L’Espace. Die Organisation Espace Plus ist die Betreiberin. Das Kulturzentrum ist ein Treffpunkt für Künstlerinnen und Künstler aus Ruanda und der Region. L'Espace vereint drei Organisationen aus den Bereichen Tanz, Film, Theater, Literatur und Humor: Imitana Production, Agati Library und Comedy Knights. Veranstaltungen finden im Kulturzentrum wie auch in ländlichen Gebieten statt, wie beispielsweise die Aufführungen des Theaterstücks Gahugu Gato.

Gahugu Gato, eine Adaption des Romans Petit Pays von Gaël Faye in der Landessprache, ist ein Theaterstück, das die Themen Migration, Identität und Zugehörigkeit erforscht. Gespielt von ruandischen und burundischen Künstlerinnen und Künstlern, wurde das Stück in den Hügeln im Norden und Süden Ruandas – von Musanze bis Nyamagabe, über Burera und Nyamata – aufgeführt, auf improvisierten Bühnen in Lichtungen, auf Märkten und an anderen Alltagsorten. Vor einem ungewohnten Publikum gelingt es der Inszenierung, eine intensive emotionale Nähe zu schaffen: Die Zuschauerinnen und Zuschauer erleben tragische Ereignisse in einer Erzählweise, die Leichtigkeit, Humor und Ernst miteinander verbindet. Dieser Ansatz schafft einen zugänglichen und berührenden Raum für Reflexion und Ausdruck. Für ländliche Gemeinschaften bedeutet es eine Form der Anerkennung und Würde, ihre Sprache, ihre alltäglichen Gesten und ihre Lebensrealität auf der Bühne wiederzufinden – und verwandelt das Theater in ein Werkzeug kollektiver Erinnerung und gesellschaftlicher Heilung.

Ein Stück wie Gahugu Gato spielen zu können, dessen Geschichte auch nach 30 Jahren noch nachhallt, als wäre es gestern gewesen, vor Zuschauerinnen und Zuschauern, die täglich mit der tragischen Geschichte Ruandas auf ihren Hügeln leben… Sie lachen, weinen und umarmen uns nach der Aufführung – das gibt mir die Hoffnung, dass Kunst nicht nur heilt, sondern uns auch einander und uns selbst näherbringt. Das haben wir bei jeder Aufführung erlebt, auf jedem Hügel.
Dida Nibagwire, Geschäftsführerin & Mitbegründerin von L’Espace Plus

Kultur als Motor für den friedlichen gesellschaftlichen Wandel

In Ruanda unterstützt die DEZA lokale Kultur als Motor für die Stärkung des friedlichen gesellschaftlichen Wandels. Dank des engagierten Einsatzes seiner Partner trägt das Projekt zur Stärkung des sozialen Zusammenhalts bei und fördert Werte, die die Schweiz auszeichnen, wie Rechtsstaatlichkeit, Demokratie, Menschenrechte, Solidarität und Frieden, sowie eine inklusive Vision des Zusammenlebens.

In Partnerschaft mit L’Espace fördert die Schweiz das Kulturangebot in Ruanda und den nationalen und regionalen kulturellen Austausch. Wie beispielsweise das Festival «Kigali Cine Junction», das jährlich Filmschaffende aus der Region zusammenbringt, und den Dialog und das gegenseitige Verständnis fördert. Von September 2024 bis Juli 2025 haben über 10 000 Menschen an Veranstaltungen teilgenommen, davon rund 5500 in ländlichen Gebieten.

Dank der Vermittlung der Schweiz hat die Stadt Kigali L’Espace ein Grundstück in Nyamirambo zugesprochen, das für den Aufbau eines kulturellen und künstlerischen Zentrums bestimmt ist. Dieser Schritt stellt einen entscheidenden Meilenstein dar, um die Nachhaltigkeit des Projekts zu sichern und einen dauerhaften Ort für gesellschaftliches Engagement zu schaffen. Zugleich zeigt er das Interesse der ruandischen Regierung an der Rolle der Kunst bei der Friedensförderung.

Kollektive Aufführung am Institut francophone de Kigali im März 2025

Kultur und Frieden in der internationalen Zusammenarbeit (Fakten & Hintergrund)

Einer der Schwerpunkte der Schweizer Aussenpolitik ist die Friedensförderung und Konfliktprävention, insbesondere in fragilen Kontexten. Ihr Ansatz setzt den Fokus auf lokale Eigenverantwortung, kulturelle Sensibilität und die Stärkung von Institutionen.

Kunst schafft Räume für Dialog und Empathie. Dies ist in von Konflikten geprägten Gesellschaften essenziell und macht Kultur in der Entwicklungszusammenarbeit aus. Raum für Kreativität – für gemeinsame Visionen und sozialen Zusammenhalt.
Patricia Danzi, DEZA-Direktorin
Kollektive Aufführung am Institut francophone de Kigali im März 2025

In einer Welt, die zunehmend von Polarisierung, Spaltung und Konflikten geprägt ist, gewinnt die Konfliktprävention und Friedensförderung zunehmend an Bedeutung. Aktuell werden rund 200 Projekte umgesetzt, die insbesondere die Ursachen von Konflikten angehen und die zu Konfliktprävention und einem friedlichen gesellschaftlichen Wandel beitragen. Auch die Kultur leistet hier einen wichtigen Beitrag: Kunst hat die Kraft, Brücken zu bauen, Verständnis zu fördern und Bindungen zwischen Gemeinschaften zu stärken.

Ausblick

Kulturförderung bleibt ein wichtiger Teil der Schweizer Entwicklungszusammenarbeit in den Partnerländern. In Zeiten zunehmender Konflikte ist es umso wichtiger, das friedliche Miteinander zu stärken, offene Räume für Meinungsvielfalt und Konfliktlösung zu fördern und der jüngeren Generation ein Gefühl der Verantwortung sowie der Zugehörigkeit und Hoffnung zu vermitteln. Investitionen in die Kultur sind Investitionen in den sozialen Zusammenhalt und somit auch in die Konfliktprävention und Sicherheit, was im Interesse der Schweiz ist.

Kollektive Aufführung am Institut francophone de Kigali im März 2025

Das Kulturmandat der DEZA zielt darauf ab, unabhängige, vielfältige und partizipative Kultursektoren und -akteure in Partnerländern zu stärken, die einen wichtigen Beitrag zu nachhaltiger Entwicklung, demokratischer Teilhabe, Konfliktprävention und Frieden leisten. Der Beitrag von Kultur zur Förderung des friedlichen Zusammenlebens ist in der IZA-Strategie 2025–2028 und in der Thematische Richtlinien Kultur und Entwicklung festgehalten. Die DEZA setzt im Bereich Kultur aktuell 10 Länderprogramme und 5 Regionalprogramme um, die insgesamt 30 Partnerländer umfassen. Das 2024 von der DEZA publizierte Reflektionspapier «Reflection Paper on Culture and Sustaining Peace» schlägt drei Kategorien vor, um den Beitrag von Kunst und Kultur zu einem nachhaltigen Frieden zusammenzufassen: Resilienz, Räume und Wandel. Erstens tragen Kunst und Kultur dazu bei, das Durchhaltevermögen und den Mut von Menschen, die von Konflikten betroffen sind, zu stärken und zu unterstützen und fördern damit die Resilienz. Zweitens schaffen, stärken oder erhalten Kunst und Kultur zivile Räume für kulturelle Vielfalt, Ausdruck und Dialog und tragen so zu einer Grundlage für Frieden bei. Drittens tragen Kunst und Kultur dazu bei, dass sich Einstellungen, Wahrnehmungen und Verhaltensweisen ändern, was wiederum ein Motor für den Wandel ist.

Kontakt

Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA)
Eichenweg 5
3003 Bern