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MitteilungVeröffentlicht am 29. Juni 2026

Migration und Flucht: Die internationale Zusammenarbeit der DEZA schliesst die Lücke zwischen lokalem Engagement und globaler Politik

Die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) ist als glaubwürdige globale Akteurin im Bereich Migration und Flucht anerkannt. Ihr Einfluss ist weitaus grösser, als ihre Grösse vermuten lässt. Sie fördert den systemischen Wandel, indem sie die Lücke zwischen den Innovationen auf Länderebene und der globalen Politik schliesst. Dank ihrem langfristigen Engagement und ihrer Expertise erzielt die Schweiz Verbesserungen für Migrantinnen und Migranten in vulnerablen Situationen, von sichererer Arbeitsmigration für Nepalesinnen und Nepalesen bis zur Erarbeitung dauerhafter Lösungen für Vertriebene am Horn von Afrika.

Eine Begünstigte des Saameynta-Projekts sitzt vor ihrem Laden am Umsiedlungsort in Barwaaqo, Somalia.

Migration ist ein universelles Phänomen: Seit jeher reagieren Menschen auf wirtschaftliche, soziale, politische, sicherheitspolitische und umweltbezogene Herausforderungen und suchen nach Sicherheit oder besseren Perspektiven. Heute sind rund 281 Millionen Menschen, d. h. etwa 3,6 Prozent der Weltbevölkerung, internationale Migrantinnen und Migranten. Suche nach Arbeit und Nachfrage nach Arbeitskräften sind zentrale Merkmale der Migration: Rund 60 Prozent der internationalen Migration entfällt auf die Arbeitsmigration, wobei der Frauenanteil bei 42 Prozent liegt. Während sich der Anteil der Migrantinnen und Migranten an der Weltbevölkerung in den letzten sechs Jahrzehnten kaum verändert hat, steigt die Zahl der Menschen, die aufgrund von bewaffneten Konflikten, Naturkatastrophen oder dem Klimawandel aus ihrer Heimat fliehen müssen. Weltweit gibt es mehr als 117 Millionen Vertriebene – Männer, Frauen und Kinder. Davon sind 71,2 Millionen Binnenvertriebene. Migrantinnen und Migranten in vulnerablen Situationen sind unabhängig von ihrem Status Risiken wie Menschenrechtsverletzungen, Ausbeutung, Diskriminierung, fehlendem Zugang zu Dienstleistungen, einschliesslich sozialem Schutz und Justiz, Zwangsarbeit oder Menschenhandel ausgesetzt. Migration kann jedoch auch ein immenses Entwicklungspotenzial für Herkunfts- und Zielländer darstellen, wenn sie unter sicheren, fairen und menschenwürdigen Bedingungen erfolgt. In den Zielländern tragen Migrantinnen und Migranten zum Steueraufkommen bei, sorgen für Innovation und Unternehmertum und stärken den Arbeitsmarkt. Gleichzeitig leisten sie mit ihren Geldüberweisungen einen bedeutenden Beitrag an das BIP ihrer Herkunftsländer. Allein im Jahr 2023 beliefen sich die Überweisungen in Länder mit niedrigem und mittlerem Einkommen auf 669 Milliarden US-Dollar, fast das Dreifache der gesamten öffentlichen Entwicklungshilfe.

Vor diesem Hintergrund verfolgt die internationale Zusammenarbeit der Schweiz einen ausgewogenen Ansatz, der sowohl die Herausforderungen als auch die Chancen der Migration im Einklang mit der Agenda 2030 berücksichtigt. Sie konzentriert sich auf den Schutz und die Unterstützung von Migrantinnen und Migranten in vulnerablen Situationen sowie von Vertriebenen und setzt sich für die Schaffung nachhaltiger sozioökonomischer Perspektiven in den Partnerländern und ‑regionen ein, unter anderem durch finanzielle Inklusion sowie eine sichere und reguläre Arbeitsmigration. Sie fördert eine Migrationsgouvernanz, die die Risiken von unsicherer Migration und Flucht mindert und die Vorteile regulärer Migration maximiert. Zur Beurteilung der Wirksamkeit ihrer Arbeit und ihrer tatsächlichen Wirkung hat die DEZA eine unabhängige Evaluation ihrer weltweiten Anstrengungen im Bereich Migration und Flucht in Auftrag gegeben, welche einen Zeitraum von sieben Jahren (2017–2024) abdeckt. Der im Januar 2026 veröffentlichte Schlussbericht bestätigt den aktuellen Ansatz der Schweiz. Er bescheinigt der Schweiz eine starke strategische Ausrichtung auf die Schwerpunkte der Schweizer Aussenpolitik und die Bedürfnisse der Partnerländer. Zudem hebt er den vom unabhängigen Evaluationsteam als Schweizer Modell bezeichneten anerkannten Mehrwert der Schweiz hervor, der auf einem kombinierten Ansatz aus langfristigem Engagement, operationeller Innovation, Partnerschaften auf mehreren Ebenen, Wissensvermittlung, thematischer Expertise und strategischer Ausrichtung beruht.

Strategische Geduld in der Praxis: zehn Jahre Engagement für einen Wandel in der nepalesischen Arbeitsmigration

Konkrete Ergebnisse erzielte das Schweizer Modell beispielsweise in Nepal. Viele Nepalesinnen und Nepalesen sind gezwungen, im Ausland Arbeit zu suchen. Arbeitsmigration ist seit Jahrzehnten eine verbreitete Strategie zur Sicherung des Lebensunterhalts. Im Jahr 2021 arbeiteten 2,1 Millionen Nepalesinnen und Nepalesen im Ausland. Die wichtigsten Zielländer sind die Golfstaaten sowie Malaysia und Indien. Im Jahr 2023 erhielt mehr als ein Drittel der nepalesischen Haushalte Überweisungen aus dem Ausland. 2024 erreichten die Überweisungen einen Rekordwert von 14,2 Milliarden US-Dollar, was 26 Prozent des nepalesischen BIP entspricht. Zwar profitieren sowohl die Herkunfts- als auch die Zielländer wirtschaftlich von der Arbeitsmigration, doch sind die Migrantinnen und Migranten erheblichen systemischen und persönlichen Risiken ausgesetzt: Tausende Nepalesinnen und Nepalesen erleiden bei der Arbeit im Ausland schwere Verletzungen oder Krankheiten. Berichten zufolge starben in einem einzigen Jahr 1400 nepalesische Arbeitskräfte im Ausland, häufig an den Folgen von schlechten Arbeitsbedingungen, Hitze und mangelndem sozialem Schutz. Das Ausbeutungsrisiko ist hoch, denn sie werden von privaten Vermittlungsagenturen häufig gezielt falsch informiert und müssen hohe Gebühren bezahlen.

Die Schweiz hat mit ihrem jahrzehntelangen Engagement in Nepal gezeigt, dass eine langfristige Zusammenarbeit entscheidend dazu beitragen kann, die Arbeitsmigration zu verändern. Arbeitsmigration sollte zum Wohlstand und nicht zu Unsicherheit beitragen. Deshalb hat sie gemeinsam mit der nepalesischen Regierung ein robustes Sicherheitsnetz aufgebaut, beispielsweise durch Projekte wie Safer Migration (SaMi). Infolge ihres Engagements für sichere und reguläre Kanäle der Arbeitsmigration haben nepalesische Arbeitsmigrantinnen und ‑migranten heute Zugang zu Informationen, Rechtsbeistand und Ausbildungsangeboten. Zudem erhalten Rückkehrerinnen und Rückkehrer Unterstützung bei der sozialen und wirtschaftlichen Wiedereingliederung. Im Gegensatz zur temporären Hilfe sind diese Initiativen auf die Institutionalisierung von Dienstleistungen innerhalb des föderalen Systems Nepals ausgerichtet. So soll sichergestellt werden, dass die Unterstützung für Migrantinnen und Migranten Bestandteil der nationalen Gouvernanz ist. Mithilfe der DEZA wurden in ganz Nepal Migrationsberatungsstellen (Migrant Resource Centres) eingerichtet, die jährlich Tausenden von Arbeitsmigrantinnen und ‑migranten sowie deren Familien Rechtsbeistand und psychosoziale Unterstützung anbieten und Grundkenntnisse in Finanzfragen vermitteln. Informierte Arbeitsmigrantinnen und ‑migranten berichten, dass sie höhere Löhne erzielen und finanziell stabiler aufgestellt sind, was zu einer effektiveren Verwendung der Geldüberweisungen beiträgt. Die derzeit 156 Migrationsberatungsstellen sollen auf insgesamt 400 Stellen aufgestockt werden, so dass rund 3 Millionen direkte und indirekte Begünstigte in allen 753 Verwaltungseinheiten Nepals erreicht werden können.

Die unabhängige Evaluation zeigt, dass die DEZA die nationale Politik Nepals unterstützt und die Übertragung der Dienstleistungserbringung an die Lokalregierungen erleichtert hat, womit sie zur Umsetzung der nepalesischen Bundesverfassung beitrug.

Nepalesinnen und Nepalesen erhalten in Migrationsberatungsstellen Zugang zu Informationen, Unterstützung und Dienstleistungen für eine sicherere Migration.

Dauerhafte Lösungen am Horn von Afrika: Schliessen der Lücke zwischen humanitärer Hilfe und Entwicklungszusammenarbeit

Auch am Horn von Afrika hat sich das Schweizer Modell bewährt. Die Schweiz gilt hier als Vorreiterin für dauerhafte Lösungen in Situationen anhaltender Vertreibung. Lösungen sind dann dauerhaft, wenn Vertriebene keine spezifische Hilfe und keinen besonderen Schutz infolge ihrer Flucht mehr benötigen und ihre Rechte ohne Diskriminierung wahrnehmen können. Die DEZA geht über die kurzfristige Hilfe hinaus und kombiniert humanitäre Hilfe, Entwicklungszusammenarbeit und Friedensförderung im Rahmen des sogenannten Triple-Nexus-Ansatzes, um Vertriebenen zu helfen, ihr Leben wieder aufzubauen. Dies bewährt sich besonders in konfliktgefährdeten und vom Klimawandel betroffenen Regionen wie am Horn von Afrika. Ende 2024 waren schätzungsweise 10 Millionen Frauen, Männer und Kinder in der Region Vertriebene. Auslöser waren in erster Linie langwierige bewaffnete Konflikte und Gewalt, Menschenrechtsverletzungen, Ernährungsunsicherheit und die zunehmenden Auswirkungen des Klimawandels. Bei langwierigen Krisen bleiben die Menschen über eine lange Zeit vertrieben, ohne wirkliche Aussicht auf Eigenständigkeit. Die Strategie der DEZA ist es daher, von der kurzfristigen Nothilfe wegzukommen und dauerhafte Lösungen sowie die sozioökonomische Eingliederung in der Region zu fördern.

Einbindung der Privatwirtschaft: das Saameynta-Projekt in Somalia

Die Zusammenarbeit mit dem Privatsektor ist ein zentraler Bestandteil der DEZA-Strategie. Durch Mikrofinanzierungen und marktorientierte Ansätze spielt der Privatsektor eine wichtige Rolle bei der Mobilisierung von Kapital für Gemeinschaften, die von Vertreibung betroffen sind. Das Vorzeigeprojekt Saameynta in Somalia veranschaulicht die Innovation des Privatsektors durch eine Finanzierungsfazilität, die Binnenvertriebenen Darlehen gewährt und so deren wirtschaftliche Integration in städtischen Gebieten erleichtert. Es hat direkt zur Integration von 60 000 Personen beigetragen. Dank dem Katalysatoreffekt profitieren insgesamt rund 140 000 Menschen direkt vom Saameynta-Projekt, denn viele Massnahmen kamen der gesamten Stadtbevölkerung zugute, etwa durch die Stärkung der Stadtverwaltung und einer inklusiven Stadtplanung, die Verbesserung der Landverwaltung, die Förderung von Lebensgrundlagen und wirtschaftlichen Perspektiven sowie durch gemeinschaftsbasierte Planung und Beteiligung. Die überwiegende Mehrheit der Begünstigten sind Frauen, da das Projekt speziell auf die Schaffung sicherer Grundbesitzverhältnisse für Frauen und frauengeführte Haushalte ausgerichtet ist. Das Projekt wird ausserdem geschätzt, weil es die Lücke zwischen humanitärer Hilfe und langfristiger Entwicklungszusammenarbeit schliesst und auf eine systemische städtische Integration sowie dauerhafte Wohnlösungen statt auf die Verwaltung von Notunterkünften abzielt.

Luftaufnahme von Barwaaqo, einem Lager für Vertriebene in der Nähe von Baidoa in Somalia.

Engagement für nachhaltigen Wandel und Innovation

Das Engagement in Nepal und am Horn von Afrika ist ein gutes Beispiel für den breiteren Schweizer Ansatz, der Migration nicht nur als Herausforderung, sondern auch als transformative Kraft für eine nachhaltige Entwicklung betrachtet. Diese Erfolge sind keine Einzelfälle, sondern das Ergebnis thematischer Expertise und einer Prioritätensetzung, die wirtschaftliche Perspektiven mit dem Schutz der Menschenrechte in Einklang bringt und sicherstellt, dass Migrantinnen und Migranten wirtschaftliche Vorteile geniessen und zu friedlichen und inklusiven Gesellschaften beitragen. Die Evaluation kam zum Schluss, dass die DEZA im Bereich Migration und Flucht sehr wichtige und wirksame Hilfe leistet. Der einzigartige Ansatz der DEZA verbindet erfolgreich operationelle Innovation, Partnerschaften auf mehreren Ebenen, langfristiges Engagement und thematische Expertise im Hinblick auf einen systemischen Wandel. Beispiele dafür sind etwa die Förderung der wirtschaftlichen Inklusion am Horn von Afrika oder die erfolgreiche Einbindung der Migrant Resource Centres in die lokalen Verwaltungseinheiten Nepals. Auf diese Weise wird sichergestellt, dass Dienstleistungen im Migrationsbereich nachhaltig, lokal verwaltet und auf langfristige Lösungen ausgerichtet sind, statt dass ein paralleles Hilfssystem aufrechterhalten wird. Dank diesem Modell kann die Schweiz trotz ihrer geringen Grösse eine bedeutende Wirkung erzielen und in diesem Bereich eine führende Rolle übernehmen. Die Schweiz gilt als vertrauenswürdige Partnerin, die lokale Eigenverantwortung respektiert und die langfristigen institutionellen Kapazitäten der Partnerregierungen fördert, was zeigt, dass die Verknüpfung der Realitäten vor Ort mit der globalen Politik einen nachhaltigen Impakt erzielen kann.

Die DEZA wird sich auch in Zukunft für den Schutz von Migrantinnen und Migranten in vulnerablen Situationen einsetzen, ihre sozioökonomische Integration fördern und das wirtschaftliche Potenzial einer sicheren und regulären Migration erschliessen.

Kontakt

Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA)
Eichenweg 5
3003 Bern