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MitteilungVeröffentlicht am 19. Dezember 2025

Nach dem Hurrikan Melissa: Die mit der Hilfe der Schweiz errichteten Schutzräume boten Hunderten von Menschen im Süden Haitis Schutz

Der Hurrikan Melissa, der Ende Oktober 2025 über dem Atlantik wütete, gilt als einer der stärksten dort je verzeichneten Tropenstürme. Er verursachte in Haiti, Jamaika und Kuba schwere Überschwemmungen und grosse Schäden an der Infrastruktur.

Gemauerte Gebäude, vor denen blaue Wassertanks stehen. Links stehen Sonnenkollektoren auf dem Boden. Zwischen den Häusern wurden junge Bäume und Sträucher gepflanzt.

In Despas und Sentinèl im Departement Sud in Haiti haben die von der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) finanzierten multifunktionalen Unterkünfte eine entscheidende Rolle beim Schutz von Hunderten von gefährdeten Personen gespielt. Fast 300 Bewohnerinnen und Bewohner dieser Dörfer fanden Zuflucht in den sicheren Unterkünften, die im Rahmen des Schweizer Programms zur Verminderung von Naturgefahren errichtet worden waren.

Geeignete Infrastruktur bietet Schutz in der Not

Die mit der Hilfe der Schweiz errichteten Schutzräume sind so konzipiert, dass sie den spezifischen Bedürfnissen ländlicher Gemeinschaften im Hinblick auf drohende Naturgefahren entsprechen. Die Anlage besteht neben sanitären Einrichtungen aus zwei getrennten Modulen, eines für Frauen und Kinder sowie eines für Männer, was nicht nur Schutz, sondern auch Sicherheit und Würde gewährleistet. In den solide gebauten Gebäuden finden die Menschen im Falle eines schweren Unwetters mehrere Tage lang Zuflucht.

Während des Hurrikans Melissa erwies sich die Anlage als überlebenswichtig: Die Familien mussten aufgrund der starken Regenfälle bis zu acht Tage dort ausharren. Aufgrund der steigenden Wasserpegel der Flüsse war eine Rückkehr in die Dörfer unmöglich.

Zwei Steinhütten, jede mit vier markierten Türen für Toiletten, Duschen und Reinigungsmaterial.

Sentinèl: fast 300 Personen in der Schutzanlage

In Sentinèl beherbergten die von der DEZA finanzierten Schutzräume rund 300 Menschen, darunter Frauen, Kinder und Betagte.

«Ohne diese Schutzanlage wäre unsere Gemeinde viel stärker gefährdet gewesen», sagt Roselène Laurole, Vorsitzende des Conseil d’Administration de la Section Communale (CASEC). «Die Regenfälle waren intensiv und ein Wegkommen war unmöglich. Die Schutzanlage bewahrte Leben, indem sie den Familien eine Zuflucht unter guten Bedingungen bot.»

Die Schutzmassnahmen wurden weitgehend von den lokalen Frauenorganisationen koordiniert: Erfassung aller Personen, Unterbringung der Familien, Organisation der Mahlzeiten, Identifizierung gefährdeter Personen, Überwachung der Gefahrengebiete.

Despas: Schutzraum als primärer Zufluchtsort

Im Nachbarort Despas bot ebenfalls eine mit der Hilfe der Schweiz errichtete Schutzanlage Hunderten Menschen Platz. Auch Marie Claire Sénatus, eine Frau mit eingeschränkter Mobilität, und ihre Schwester, ebenfalls mit physischen Beeinträchtigungen, fanden dort Schutz.Dank der schnell weitergegebenen Warnmeldungen konnten alle rechtzeitig die Schutzanlage aufsuchen.

«Wir waren unter den Ersten, die ankamen», erzählt Marie Claire. «Ohne die Warnungen und ohne die Schutzräume hätten wir es nicht rechtzeitig in Sicherheit geschafft, denn die Flusspegel begannen bereits bedrohlich anzusteigen.»

Verbessertes Warnsystem

Das im September 2025 von der DEZA lancierte Projekt «Risiko- und Ressourcenmanagement in der Südregion» (GÉRER-SUD) hat massgeblich zur Steigerung der Reaktionsfähigkeit der lokalen Bevölkerung beigetragen. Das Projekt soll die Katastrophenvorsorge und die Kommunikation im Ereignisfall verbessern. Im Rahmen von GÉRER SUD wurden mehrere junge Freiwillige ausgebildet, darunter Christine (20), die während des Wirbelsturms eine entscheidende Rolle spielte. Im Regen lief sie durch das Dorf, teilte die jeweilige Warnstufe mit (erst gelb, dann orange und schliesslich rot) und begleitete das örtliche Zivilschutzteam beim Anbringen der Warnflaggen. Dank ihres Einsatzes konnten viele Familien die Gefahr erkennen und sich rechtzeitig in die Schutzräume begeben.

Ein Steingebäude mit der Aufschrift „Frauenhaus”. Davor befindet sich auch ein Wasserreservoir.

Verheerendes Unwetter, aber nur ein Todesfall

Dank der Mobilisierung der Gemeinschaften und der bereitgestellten Infrastruktur gab es in den Orten Despas und Sentinèl keine Todesopfer im direkten Zusammenhang mit dem Unwetter.

Insgesamt wurde nur ein einziger Todesfall gemeldet: Als der Regen etwas nachgelassen hatte, verliess ein Mann die Schutzanlage. Auf dem Weg zurück wurde er von einem reissenden Fluss fortgeschwemmt.

Dieser Zwischenfall zeigt, wie wichtig die Einhaltung von Sicherheitsvorschriften und die Sensibilisierung für die Unvorhersehbarkeit von Wetterphänomenen sind.

Lebensgrundlagen unmittelbar bedroht

Auch wenn die Menschen geschützt werden konnten, sind die wirtschaftlichen Folgen des Hurrikans fatal. Beide Dörfer haben enorme landwirtschaftliche Verluste erlitten (Bananen, Mais, Bohnen, Maniok). Etliche Nutztiere (Ziegen, Schweine, Geflügel) wurden getötet oder werden vermisst, und der durchnässte Boden erschwert die nächste Bepflanzung der Felder.

Für die Agrargemeinschaften sind die Verluste ein riesiges Problem. Die Frauenorganisationen sind daran, eine genaue Bilanz zu ziehen und werden die Wiederbelebung der Landwirtschaft begleiten.

Engagement der DEZA in Haiti

Im Süden Haitis fördert die DEZA seit mehreren Jahren die Klimaresistenz und den Schutz ländlicher Gemeinschaften. Durch den Bau von Schutzanlagen, die Einrichtung von Frühwarnsystemen und den Aufbau lokaler Kapazitäten trägt sie dazu bei, die Zahl der Todesopfer zu verringern und die Lebensgrundlagen zu schützen.

Der Hurrikan Melissa hat erneut gezeigt, wie wichtig und effektiv solche Massnahmen sind. Die im Rahmen des Projekts GÉRER-SUD errichteten multifunktionalen Schutzräume und das gleichzeitig eingeführte Kommunikationssystem haben eine menschliche Katastrophe verhindert.

Im Nachgang des Hurrikans Melissa leistete die DEZA im Departement Sud ausserdem Nothilfe, um auf die dringenden Bedürfnisse der lokalen Gemeinschaften zu reagieren. Die Massnahmen konzentrieren sich in Absprache mit den Behörden und Gemeinschaften auf die Sicherung der Lebensgrundlagen sowie auf die Instandsetzung der Trinkwasserversorgung und der lokalen Infrastruktur.

Die Schweiz wird ihr Engagement gemeinsam mit den lokalen Behörden, kommunalen Organisationen und nationalen Partnern fortsetzen, um die Resilienz gegenüber Naturkatastrophen vor dem Hintergrund der zunehmenden Fragilität in Haiti zu stärken.

Kontakt

Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA)
Eichenweg 5
3003 Bern