Partnerschaft zwischen öffentlichem und privatem Sektor in fragilem Kontext: Es ist möglich!
Im Osten der Demokratischen Republik Kongo (DRK) setzt die Schweiz gemeinsam mit dem Pharmaunternehmen Pharmakina das Projekt SEEDS um. Das Projekt soll das Einkommen und die Lebensbedingungen von 2000 Kleinproduzentinnen und -produzenten von Chinarinde, einem Produkt zur Malariabekämpfung, verbessern. SEEDS stärkt den Marktzugang, fördert eine nachhaltige Landwirtschaft und erleichtert den Zugang zur medizinischen Grundversorgung.

Eine Partnerschaft, die auf lokalen Gegebenheiten aufbaut
Im Osten der DRK leben viele Kleinbäuerinnen und Kleinbauern von der Subsistenzlandwirtschaft. Die Unsicherheit, die isolierten ländlichen Gebiete, der schlechte Zustand der Infrastruktur sowie der eingeschränkte Zugang zu Märkten, hochwertigen Betriebsmitteln und Grundversorgung gefährden ihr Einkommen. Vor diesem Hintergrund führt die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) gemeinsam mit dem Pharmaunternehmen Pharmakina das Projekt SEEDS (Sustainable Empowerment and Economic Development of Smallholder Farmers) durch. SEEDS soll 2000 Kleinproduzentinnen und Kleinproduzenten von Chinarinde stärker in die Produktionskette einbinden und ihren Marktzugang und ihren Zugang zur Grundversorgung verbessern. Pharmakina besteht seit über 80 Jahren und ist in Bukavu, der Hauptstadt von Süd-Kivu, ansässig. Es verarbeitet die Rinde des Chinarindenbaums, einer Pflanze, die in den Provinzen Nord- und Süd-Kivu angebaut wird. Daraus wird Chinin gewonnen, das insbesondere zur Behandlung von Malaria und als Zutat in chininhaltigen Getränken (Tonic) verwendet wird. Malaria beeinflusst die Sterblichkeitsrate in der Region nach wie vor erheblich, weshalb die Chinarinden-Produktion sowohl aus gesundheitlicher als auch aus wirtschaftlicher Sicht von grosser Bedeutung ist.
Seit 2023 ist AlphaTalents Africa, ein wirkungsorientierter Investor aus der Schweiz, Hauptaktionär von Pharmakina. AlphaTalents Africa unterstützt das Pharmaunternehmen bei der Umstellung auf ein Modell, das wirtschaftliche Tragfähigkeit mit sozialen und ökologischen Vorteilen verbindet, insbesondere durch eine direktere Beschaffung bei den Kleinproduzentinnen und Kleinproduzenten von Chinarinde. Ausserdem sollen die Rückverfolgbarkeit der Produkte verbessert und soziale und ökologische Standards in die Unternehmensaktivitäten integriert werden. Auch das Projekt SEEDS fügt sich in diese Perspektive ein. Es vereint die Erfahrung der DEZA in der Entwicklungszusammenarbeit, die lokale Verankerung und das Fachwissen von Pharmakina sowie die langfristige Vision von AlphaTalents Africa. Durch diese Kombination stärkt SEEDS einen für die Gesundheit unverzichtbaren Sektor und schafft zugleich wirtschaftliche Perspektiven in einem fragilen Umfeld.

Kürzere Lieferketten
Das Projekt bindet 2000 Kleinproduzentinnen und Kleinproduzenten von Chinarinde – mindestens die Hälfte davon sind Frauen – stärker in die Produktionskette ein. Die Rinde wird an zwanzig Annahmestellen geliefert, was den Direktverkauf an Pharmakina erleichtert. Die geringere Anzahl Zwischenhändler und die tieferen Transportkosten ermöglichen den Produzentinnen und Produzenten eine gerechtere Entlöhnung und sicherere Verkaufskanäle. In zwei Gewächshäusern werden 9,3 Millionen Chinarinden-Setzlinge gezüchtet und den Produzentinnen und Produzenten für ihren Anbau kostenlos zur Verfügung gestellt. Ausserdem werden die Produzentinnen und Produzenten in nachhaltiger Landwirtschaft geschult, um die Produktivität und die Qualität ihrer Ernten zu verbessern und ihre Widerstandsfähigkeit gegenüber Klimaschocks zu erhöhen.
Einkommen diversifizieren und Grundversorgung verbessern
Chinarinde braucht sechs bis sieben Jahre, bis sie geerntet werden kann. Damit die Haushalte über ein regelmässigeres Einkommen verfügen, fördert SEEDS den Zwischenanbau von Ingwer. 1500 Produzentinnen und Produzenten erhalten Saatgut, damit sie ihre Produktion diversifizieren können und weniger stark von der Chinarinde abhängig sind.
Dank des Kompetenzzentrums in Idjiwi können sich die Produzentinnen und Produzenten in nachhaltigen Anbaumethoden weiterbilden, fachliche Beratung in Anspruch nehmen und ihre Finanzkenntnisse vertiefen. Ausserdem erhalten sie Zugang zu medizinischer Grundversorgung und Sensibilisierungsmassnahmen, insbesondere in den Bereichen Ernährung, Hygiene und Prävention. Diese Leistungen stehen auch den anderen Haushaltsmitgliedern zur Verfügung. So kann ein Kleinbauer beispielsweise Unterstützung erhalten, um seine Erträge zu steigern, während seine Familie am gleichen Ort medizinische Grundversorgung in Anspruch nimmt.
Eine gemeinsame ergebnisorientierte Investition
Die DEZA und Pharmakina finanzieren das Projekt gemeinsam. Die Schweiz fördert vor allem Anfangsinvestitionen mit grosser sozialer Wirkung, beispielsweise in Infrastruktur, Ausrüstung und Schulungen für die Produzentinnen und Produzenten, während Pharmakina die langfristige Geschäftstätigkeit unterstützt. Ein Teil des DEZA-Beitrags wird schrittweise ausgezahlt und ist an konkrete Ergebnisse geknüpft wie die Inbetriebnahme der Annahmestellen und die Verbesserung der Einkünfte der Produzentinnen und Produzenten.
In einem fragilen Umfeld, das von Unsicherheit, hohen Kosten und einem noch wenig entwickelten Privatsektor geprägt ist, sind die Herausforderungen einer solchen Partnerschaft hoch. Die langjährige Verankerung von Pharmakina in der Region stellt eine Chance dar: Indem Entwicklungsziele in die Aktivitäten eines Unternehmens integriert werden, das seine Geschäftstätigkeit über das Projekt hinaus fortsetzen soll, kann die Partnerschaft langfristige Ergebnisse sicherstellen. Das verbessert die Einkommen der Produzentinnen und Produzenten, stärkt eine für die lokale Wirtschaft in Süd-Kivu wichtige Branche und erhöht die Chinin-Produktion zur Malariabekämpfung. Es verdeutlicht auch, wie die internationale Zusammenarbeit und die Privatwirtschaft ihre Kompetenzen bündeln können, um in einem fragilen Umfeld nachhaltige wirtschaftliche Perspektiven zu schaffen.
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