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MitteilungVeröffentlicht am 10. Oktober 2024

Psychische Gesundheit als Schlüssel für einen nachhaltigen Frieden

Am Welttag für psychische Gesundheit, der jeweils am 10. Oktober stattfindet, steht die Bedeutung psychischer Gesundheit für das Wohlergehen einer Gesellschaft im Zentrum. Krisen und Konflikte können zu Traumata führen, die die Stabilität und den Frieden langfristig beeinträchtigen. In Burundi unterstützt die Schweiz ein Projekt zur Integration der psychischen Gesundheit in die medizinische Grundversorgung. Damit fördert sie den sozialen Zusammenhalt und die Friedenskonsolidierung.

Ein Pfleger, der einen Kittel über einem Hemd mit rot-weiss gestreiftem Kragen trägt, blickt auf ein Regal mit Medikamentenschachteln.

Burundi ist ein kleiner Binnenstaat in der Region der Grossen Seen. Es grenzt an Ruanda, Tansania und die Demokratische Republik Kongo (DRK) und ist durch eine gemeinsame Geschichte mit Ruanda und der DRK verbunden. Mit seinen hügeligen und bergigen Landschaften zeichnet sich Burundi durch eine üppige grüne Vegetation aus. Die Bevölkerung lebt fast ausschliesslich von der Landwirtschaft, doch die Armut ist nach wie vor gross. 2022 belegte Burundi den 187. Rang von 193 Ländern auf dem Index der menschlichen Entwicklung (HDI). Die Konflikte der Vergangenheit haben die psychische Gesundheit der Bevölkerung stark beeinträchtigt. Die Gesundheitsdienste verfügen jedoch nicht über genügend Ressourcen, um die Traumata zu behandeln.

Die Schweiz unterstützt seit 2019 ein Projekt zur Integration der psychischen Gesundheit in die medizinische Grundversorgung. Eine Grunderhebung in den vier Provinzen des Projekts hat gezeigt, dass über 70 Prozent der Bevölkerung unter psychischen Traumata leiden, die namentlich auf die verschiedenen Krisen Burundis zurückzuführen sind. Frauen, Jugendliche und Angehörige der Verteidigungs- und Sicherheitskräfte sind besonders stark betroffen.

Traumabehandlung für einen dauerhaften Frieden

Nicht oder ungenügend behandelte Traumata sind eine der Ursachen für die wiederkehrende Gewalt in Burundi. Gewaltsame Auseinandersetzungen haben erhebliche sozioökonomische Folgen und wirken sich langfristig auf die Menschen und die Gesellschaft als Ganzes aus. Traumata können zu neuer Gewalt und neuen Konflikten führen. Deshalb ist es wichtig, dass Menschen mit posttraumatischen Belastungsstörungen von Fachpersonen in geeigneten Einrichtungen angemessen betreut und behandelt werden.

Durch die Förderung der Behandlung psychischer Krankheiten hat die Schweiz einen wesentlichen Beitrag zum sozialen Zusammenhalt und zur Friedenskonsolidierung in Burundi geleistet.
Seleus Sibomana, Verantwortlicher für das Programm Gesundheit im Schweizer Kooperationsbüro in Bujumbura, Burundi

Integration der psychischen Gesundheit in die medizinische Grundversorgung

Das von der Schweiz unterstützte Projekt zielt darauf ab, das Angebot und die Nachfrage im Bereich der psychosozialen Versorgung in den bestehenden Strukturen zu stärken. Dadurch können psychische Erkrankungen frühzeitig erkannt und im vertrauten Umfeld behandelt werden, wodurch Stigmatisierungen vermieden werden können. Gleichzeitig gewährleistet die Integration eine ganzheitliche Betreuung der Patientinnen und Patienten.

Die Schweiz verfügt über einschlägiges Fachwissen, das sie in anderen Kontexten, etwa im benachbarten Ruanda oder in Osteuropa, erworben hat, und kennt die Akteure im Bereich der psychischen Gesundheit und der psychosozialen Unterstützung dank ihres psychosozialen Regionalprogramms in der Region der Grossen Seen. So kann sie sich auf diesem Gebiet als Schlüsselakteurin positionieren.

Ein Mann in einem grünen T-Shirt und einer weissen Hose spricht zu Frauen und Männern, die auf verschiedenfarbigen Stühlen sitzen.

Enttabuisierung von psychischen Krankheiten

Sensibilisierung und Prävention stehen im Mittelpunkt dieses Projekts. Die Partner-NGO THARS (Trauma Healing and Reconciliation Services, Dienste für Traumaarbeit und Versöhnung) leistet hervorragende Informations- und Sensibilisierungsarbeit in den Gemeinden. Ziel ist es, psychisch Kranke in den Gemeinschaften zu identifizieren, zu behandeln und bei Bedarf zu ermutigen, spezialisierte Gesundheitsfachkräfte aufzusuchen.

Mit der Unterstützung der Schweiz für das Zentrum für Neuropsychiatrie in Ngozi, einer Provinz im Norden Burundis an der Grenze zu Ruanda, organisieren die Psychologinnen und Psychologen von THARS unter anderem regelmässig Gespräche über psychische Gesundheit mit den Gemeinschaften am Hügel Mubuga (in Burundi entspricht ein Hügel mehr oder weniger einem Dorf). Der Austausch trägt nicht nur zur Aufklärung über psychische Krankheiten bei, sondern ermutigt die Bewohnerinnen und Bewohner auch, Fragen zu stellen.

Das Wissen über psychische Erkrankungen ist immer noch begrenzt. Da sie stark tabuisiert sind, suchen die Betroffenen selten Hilfe. «Dank der Aufklärungs- und Präventionsarbeit auf Gemeindeebene haben die Konsultationen zugenommen», sagt ein Pfleger des Zentrums für Neuropsychiatrie in Ngozi, das Menschen mit verschiedenen Krankheitsbildern wie Epilepsie, Psychosen, Depressionen, bipolaren Störungen, posttraumatischen Belastungsstörungen oder Drogensucht behandelt.

Die Initiative hat unter anderem zum Ziel, psychische Erkrankungen zu enttabuisieren und Stigmatisierungen zu bekämpfen, indem das Wissen und das Verständnis in den Gemeinden gefördert werden. Die spezialisierte lokale NGO THARS zeichnet sich durch ihre umfassende Kenntnis des Kontexts sowie der burundischen Gesellschaft und deren Geschichte aus. Diese Expertise erlaubt es ihr, die Kapazitäten der verschiedenen Akteure zu stärken und den Prozess der Versöhnung und der Konflikttransformation zu fördern.

Ausbildung für eine bessere Versorgung

In Burundi fehlt es an qualifiziertem Personal im Bereich der psychischen Gesundheit und der psychosozialen Unterstützung. Es gibt nur sehr wenige Psychiaterinnen und Psychiater und psychologisch geschultes Fachpersonal, was eine angemessene Versorgung erschwert. Ein Schwerpunkt des von der Schweiz unterstützten Projekts liegt auf der Förderung der Kompetenzen im Umgang mit psychischen Erkrankungen im Rahmen von berufsbegleitenden Weiterbildungen für das Ärzte- und Pflegepersonal.

Das Zentrum für Neuropsychiatrie in Ngozi beschäftigt 17 psychiatrisch geschulte Angestellte, darunter Allgemeinmediziner und Pflegekräfte. Das Zentrum wird nicht nur beim Aufbau von Kapazitäten, sondern auch bei der Ausstattung unterstützt. Auf diese Weise kann es besser auf die Bedürfnisse der Bevölkerung eingehen. Um den Zugang zur Gesundheitsversorgung zu fördern, bekommen besonders arme Menschen eine Versicherungskarte. Damit erhalten sie einen erheblichen Rabatt, vor allem für Medikamente, die teuer und schwer zugänglich sind.

Gesang und Musik heilen die Seele

Das Zentrum für Neuropsychiatrie in Ngozi wie auch die beiden anderen neuropsychiatrischen Zentren des Landes bieten Musiktherapie – Gesang und Musik – zur Behandlung von psychischen Traumata an. Solche Ansätze helfen den Patientinnen und Patienten, ihre psychische, körperliche und emotionale Gesundheit wiederherzustellen, zu erhalten und zu verbessern. Parallel dazu ermöglichen beschäftigungstherapeutische handwerkliche Tätigkeiten wie Stricken oder Korbflechten den Patientinnen und Patienten, wieder einen Sinn im Leben zu finden, sich nützlich zu fühlen und ihr Selbstvertrauen wieder aufzubauen.

Fünf Männer and Frauen sitzen nebeneinander und schauen hinab auf die Körbe, die sie flechten. Eine Frau ist zu ihnen gebeugt.

Psychische Gesundheit im Fokus in Bujumbura

Das Thema psychische Gesundheit steht im Mittelpunkt einer Konferenz, die am 29. und 30. Oktober 2024 im burundischen Bujumbura stattfindet. Dabei kommen Vertreterinnen und Vertreter der Wissenschaft, von zivilgesellschaftlichen Organisationen im Bereich der psychosozialen Unterstützung und der psychischen Gesundheit, von Begünstigtenorganisationen, staatlichen Behörden und Gesundheitseinrichtungen sowie ehemalige Patientinnen und Patienten zusammen. Die Konferenz mit dem Titel «Psychische Gesundheit für Frieden und nachhaltige Entwicklung in Burundi» wird vom Ministerium für öffentliche Gesundheit und Aids-Bekämpfung in Zusammenarbeit mit dem Doktorandenprogramm der Universität Burundi und der NGO HealthNet TPO organisiert und von der Schweiz finanziell unterstützt. Ihr Ziel ist es, die psychische Gesundheit in Burundi wieder als gesundheitspolitische Priorität zu positionieren.

Kontakt

Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA)
Eichenweg 5
3003 Bern