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MitteilungVeröffentlicht am 25. November 2024

Sind die Minen weg, explodiert die Entwicklung

Insgesamt dreissig Jahre Krieg und Konflikte hinterliessen in Kambodscha geschätzte 3 bis 4 Millionen Minen, Streumunition und andere explosive Kriegsmunitionsrückstände. Die Schweiz unterstützt den HALO Trust mit 4 Millionen Franken bei der Minenräumung. Die humanitäre Minenräumung macht ganze Landstriche wieder sicher und bewohnbar. Sie ermöglicht den Bauern, ihr Land wieder zu betreten und landwirtschaftlich zu nutzen.

Minenräumerin Leav Path von HALO Trust.

Nirgendwo auf der Welt liegen so viele Antipersonenminen wie an der kambodschanischen Grenze zu Thailand. In diesem 700 km langen Landstrich – dem sogenannten K5-Gürtel – sind schätzungsweise 3000 Minen pro Kilometer verborgen. Zwar gehören Vietnamkrieg, Pol Pot und Bürgerkrieg längst der Vergangenheit an, doch ihre explosiven Hinterlassenschaften stellen bis heute eine Bedrohung für die Menschen in Kambodscha dar. «Tretminen sind geduldige und heimtückische Waffen», sagt Leav Path von HALO Trust, der grössten internationalen humanitären Organisation für Minenräumung. «Am meisten Opfer fordern sie erst nach dem Krieg.» Während des Konflifkts wüssten die Soldaten um die Gefahr. Die Zivilpersonen aber, die nach Kriegsende in ihre Dörfer zurückkehrten, seien der Gefahr oft ahnungslos ausgesetzt. «Auch in meinem Dorf wurden so Menschen die Beine weggesprengt», sagt Path. Diese Erfahrung habe sie dazu motiviert, sich selber zur Minenräumerin ausbilden zu lassen. Seit 13 Jahren säubert sie ihr Land nun schon vor der Hinterlassenschaft ihrer Vorfahren. Tag für Tag, Meter für Meter.

39 Verletzte im laufenden Jahr

Zentimeter für Zentimeter arbeitet sich Leav Path an die Mine heran, die sie zuvor mit dem Metalldektektor aufgespürt hat; sie knipst mit der Gartenschere ein paar Wurzeln ab und kratzt trockene Erde weg, bis sie mit der Gartenschaufel auf den Sprengkörper stösst: Ein Plastikbehälter von der Grösse eines Margarinebechers, geladen mit 50 Gramm Sprengstoff. Genug, um einem Menschen einen Fuss abzureissen, oder ein Bein. Seit 1979 wurden mehr als 65 000 kambodschanische Männer, Frauen und Kinder durch Unfälle mit Minen und nicht explodierten Sprengkörpern getötet oder lebensbedrohlich verletzt. Die Zahl der Opfer ist dank der Minenräumerinnen und Minenräumer von 2069 im Jahr 1993 auf unter 39 im laufenden Jahr deutlich zurückgegangen. Allerdings leben immer noch eine Million Menschen in Gebieten, die durch Blindgänger kontaminiert sind. Sogar hier, wenige Kilometer von den berühmten Tempelanlagen von Angkor Wat entfernt, werden immer wieder welche entdeckt. «An diesem Strässchen hat es einen Wasserbüffel erwischt», sagt Leav Path. Darum wurde ihr Trupp gerufen, um die lokale Bevölkerung über die Risiken aufzuklären und das umliegende Gebiet zu säubern.

Ohne Angst auf sicherem Boden

Leav Path befestigt eine Sprengladung TNT an der freigelegten Mine, um sie gezielt zu sprengen. «Ich freue mich auch nach 13 Jahren noch über jede einzelne Mine, die ich unschädlich machen kann», sagt sie. Wirkliche Genugtuung aber erfahre sie, wenn ein ganzes Minenfeld als gesäubert freigegeben werden kann. «Dann geben wir der Zivilbevölkerung ihr wertvolles Land für den Ackerbau, für Strassen- und Häuserbau zurück.» Humanitäre Minenräumung sei insofern der erste Schritt, um ein Land enwickeln zu können. Ihr Dorf sei das beste Beispiel: «Seit dort ohne Furcht gebaut und gearbeitet werden kann, ist die Entwicklung förmlich explodiert», sagt Leav Path lachend.

Minen räumen, Menschen warnen

Die Schweiz unterstützt die Minenräumung in Kambodscha seit 2013; zunächst durch das vom UNDP geleitete Projekt «Clearing for Results», ab 2020 durch die Unterstützung des HALO Trust.

Bislang ermöglichte der Schweizer Beitrag die Entdeckung und Zerstörung von:

  • 10 273 Antipersonenminen
  • 160 Panzerabwehrminen
  • 8214 anderen explosiven Kriegsmunitionsrückständen

Durch das Engagement der Schweiz konnten 32 km2 kontaminiertes Land geräumt werden. Mehr als 1,5 Millionen Menschen haben nun sicheren Zugang zu Land und Wasser, was neue wirtschaftliche Möglichkeiten eröffnet. Drei Viertel der gesäuberten Flächen werden für die Landwirtschaft genutzt, der Rest für den Wohnungsbau oder Infrastrukturprojekte.

Die Minenräumung ist nur ein Teil des Engagements. Ebenso wichtig ist die Aufklärung über die Minenrisiken, die sogenannten EORE-Programme (Explosive Ordnance Risk Education). In den vergangenen Jahren haben 5,4 Millionen Menschen an solchen Schulungen teilgenommen. Vor allem Kinder sollen lernen, wie sie Minen erkennen und sich sicher verhalten können.

Kontakt

Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA)
Eichenweg 5
3003 Bern