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MitteilungVeröffentlicht am 19. Februar 2026

Sudan: tausend Tage seit Kriegsbeginn

Im Sudan bricht das mittlerweile dritte Kriegsjahr an. 30 Millionen Menschen sind betroffen, 15 Millionen mussten aus ihrer Heimat fliehen. Angesichts dieser beispiellosen humanitären Krise hat die Schweiz seit Beginn des Konflikts rund 190 Millionen Franken bereitgestellt. Damit unterstützt sie den Sudan und die Nachbarländer (Tschad, Südsudan und Ägypten) und setzt sich für die Achtung des humanitären Völkerrechts und für einen Waffenstillstand ein.

Dutzende Männer, Frauen und Kinder stehen oder sitzen auf dem Boden.

Anfang 2026 ist die Lage im Sudan immer noch äusserst besorgniserregend. Durch die Kämpfe zwischen den sudanesischen Streitkräften (SAF) und den Rapid Support Forces (RSF) sowie ihren jeweiligen Verbündeten spitzt sich die humanitäre Krise für die Bevölkerung weiter zu. Der Konflikt forderte bereits Zehntausende Todesopfer, vertrieb Millionen Menschen und führte zu einer schweren Nahrungsmittelknappheit. Wichtige Infrastrukturen in den Bereichen Gesundheit, Bildung und Versorgung wurden weitgehend zerstört, was eine Preisexplosion und somit eine Verschärfung der Hungerkrise zur Folge hat.

Der UNO zufolge leidet mehr als die Hälfte der Bevölkerung unter der akuten Ernährungsunsicherheit, und 30 Millionen Menschen sind auf humanitäre Hilfe angewiesen. In einigen Regionen breiten sich Hungersnot und Cholera weiter aus. Frauen, Kinder und marginalisierte Gruppen sind schweren Verstössen gegen das humanitäre Völkerrecht ausgesetzt, insbesondere durch weit verbreitete sexuelle Gewalt. Bisher wurden 11 Millionen Menschen innerhalb des Landes vertrieben und 4 Millionen sind in die Nachbarländer geflüchtet, hauptsächlich in den Tschad, den Südsudan und nach Ägypten.

Vertriebene Menschen tragen auf ihren Köpfen Säcke mit lebenswichtigen Hilfsgütern, die vom Danish Refugee Council verteilt wurden.

Eine Krise mit regionaler Dimension

Die Nachbarländer, namentlich der Tschad, der Südsudan und Ägypten, sind mit massiven Flüchtlingsströmen konfrontiert, was einen enormen Druck auf die ohnehin schon sehr fragilen Infrastrukturen ausübt. Bei ihrem Besuch 2025 im Südsudan betonte DEZA-Direktorin Patricia Danzi: «Der Krieg im Sudan verschärft die Situation der Aufnahmebevölkerung im Norden des Südsudans und in den anderen Nachbarländern. Er hat verheerende Auswirkungen auf die Wirtschaft und die Inflation. Es ist deshalb enorm wichtig, einen Beitrag zu einem Waffenstillstand und einem Frieden zu leisten.»

Die Schweiz verfolgt die Situation aufmerksam

Seit Beginn des Krieges verfolgt die Schweiz die Entwicklung der humanitären Lage im Sudan und die Auswirkungen auf die Nachbarländer aufmerksam. Aufgrund der vorübergehenden Schliessung der Botschaft in Khartum koordiniert die DEZA ihre operative Tätigkeit von der Schweizer Botschaft in Kairo aus. Für Kathrin Wyss, stellvertretende IZA-Chefin für den Sudan, ist das eine gute Ausgangslage, um die Situation genau zu beobachten und schnell auf aktuelle Entwicklungen zu reagieren.

Bei ihrer Dienstreise in Kassala im Südosten des Sudans besuchte sie Binnenvertriebene und Flüchtlinge aus dem Südsudan und aus Äthiopien. «Neben Nothilfe gibt es verschiedene langfristige Projekte, die es den Menschen ermöglichen, ihr Leben und ihre Autonomie wieder aufzubauen, auch in Regionen, in denen man das nicht erwarten würde, wie in Darfur», so Kathrin Wyss. In diesem Zusammenhang erklärte sie auch, wie die Partner aus der Schweiz mit der lokalen Bevölkerung zusammenarbeiten, zum Beispiel für den Bau und Unterhalt von Strassen, die den Zugang zu Märkten erschliessen.

Angesichts dieser Krise verfolgt die Schweiz einen regionalen Ansatz, bei dem sie alle involvierten Einheiten des EDA an der Zentrale und vor Ort einbezieht. Das DEZA-Büro für den Sudan in Kairo umfasst vier entsandte Mitarbeitende sowie erfahrene Lokalangestellte und wird von der Zentrale unterstützt. Zudem werden für eine bessere Einschätzung der Lage wenn möglich Besuche vor Ort organisiert. Die letzten Besuche vor Ort fanden im Januar und Februar 2026 im Bundesstaat asch‑Schamālīya, insbesondere in Dunqula, statt. Das DEZA-Büro arbeitet eng mit dem Sondergesandten der Schweiz für das Horn von Afrika und dem Liaison Officer der Abteilung Frieden und Menschenrechte (AFM) des EDA für den Sudan mit Sitz in Nairobi, Kenia, zusammen.

Am Horizont sind Zelte und Lehmhütten von Binnenvertriebenen zu sehen.

Die Schweiz hilft finanziell und mit Fachwissen

Bisher hat die Schweiz rund 190 Millionen Franken für den Sudan und die Nachbarländer bereitgestellt. Die Mittel gingen an mehrere UNO-Organisationen (OCHA, WFP, UNHCR), das IKRK und verschiedene internationale NGO (Médecins Sans Frontières, Norwegian Refugee Council, Save the Children). Dieser Betrag umfasst auch den Nachtragskredit von 50 Millionen Franken, den das Schweizer Parlament im Dezember 2025 nach der Intensivierung der Kämpfe in Nord-Darfur und der Eroberung von El-Fasher bereitstellte. Dieser Entscheid erfolgt unmittelbar nach dem gemeinsamen Besuch im Sudan von Dominik Stillhart, stellvertretender Direktor der DEZA und Delegierter für humanitäre Hilfe, sowie Valérie Liechti, Vizedirektorin der DEZA und Leiterin der Abteilung Afrika. «Mit diesem Beitrag sendet die Schweiz ein starkes Signal und zeigt, dass sie dem Schicksal der Zivilbevölkerung im Sudan und in der Region nicht gleichgültig gegenübersteht», betont Dominik Stillhart.

Der Nachtragskredit wird hälftig für die Unterstützung der Bevölkerung im Sudan und zur Bewältigung der Krise in den Nachbarländern (Südsudan, Tschad und Ägypten) eingesetzt. Er deckt die dringendsten Bedürfnisse ab, insbesondere Nahrungsmittel, Trinkwasser, medizinische Versorgung, sanitäre Grundversorgung, Unterkünfte, Schutz der Bevölkerung, Prävention von Gewalt gegen Frauen und Kinder und Verbesserung der Ernährungssicherheit. Zudem werden dauerhafte Lösungen unterstützt, beispielsweise die Stärkung der lokalen Märkte sowie der Zugang von Flüchtlingen und Aufnahmegemeinschaften zu Bildung.

Über internationale NGOs arbeitet die Schweiz vermehrt mit lokalen Organisationen zusammen, vor allem in Darfur und an der Grenze zum Tschad. In einigen Regionen sind diese Organisationen die einzigen Akteure, die die betroffene Bevölkerung erreichen.

Seit Beginn der Krise hat die Schweiz ausserdem mehreren Organisationen (OCHA, UNHCR, WHO, IOM, WFP, MSF und Mercy Corps) Expertinnen und Experten des Schweizerischen Korps für humanitäre Hilfe zur Verfügung gestellt. Mit ihrem Fachwissen in den Bereichen Trinkwasser, sanitäre Grundversorgung, Schutz der Bevölkerung und Gesundheit unterstützen sie die Arbeit der Organisationen vor Ort.

Die Unterstützung der Schweiz in Zahlen

Dank des Ende 2025 bereitgestellten Nachtragskredits konnte das WFP einen Monat lang rund 1,1 Millionen Menschen mit 1150 Tonnen Nahrungsmittel versorgen.

Seit 2023 kam die Unterstützung der Schweiz mehr als 3 Millionen Menschen im ganzen Land zugute, 55 Prozent davon Frauen. In allen Regionen, namentlich in Nord-Darfur und Khartum, wurden rund 6000 Tonnen Nahrungsmittel verteilt.

Diplomatisches Engagement für den Frieden

Auf diplomatischer Ebene engagiert sich die Schweiz für die Achtung des humanitären Völkerrechts, den Schutz der Zivilbevölkerung, einen schnellen, ungehinderten humanitären Zugang zu Konfliktgebieten und einen Waffenstillstand. Wie in den vergangenen Jahren wird der Sudan auch dieses Jahr Thema von zwei Konferenzen sein: am 26. März 2026 in Brüssel und am 15. April 2026 in Berlin.

Sudan: Eine Priorität der Schweizer Friedenspolitik

Seit Juli 2023 beherbergt die Schweiz im Rahmen ihrer Guten Dienste vertrauliche Dialoge zwischen den zivilen Parteien des Sudan, um die Erfolgsaussichten von offiziellen Verhandlungen über die politische Zukunft des Sudan nach dem Krieg zu verbessern. Auf Initiative der USA hat das EDA zudem im August 2024 in der Schweiz eine Friedenskonferenz ausgerichtet. Das Nichterscheinen einer Kriegspartei verunmöglichte damals jedoch Waffenstillstandsgespräche. Die Konferenz fokussierte daher auf den humanitären Zugang und den Schutz der Zivilbevölkerung im Krieg. Aus diesen Gesprächen ging eine diplomatische Koalition unter dem Namen ALPS (Advancing Life Saving and Peace in Sudan) hervor, welche die USA, die Schweiz, die Vereinigten Arabischen Emirate, das Königreich Saudi-Arabien, Ägypten, die UNO und die Afrikanische Union umfasst. Mit ihrem gemeinsamen diplomatischen Einsatz hat die ALPS-Gruppe seither konkrete Zusagen der Kriegsparteien erwirken können. Diese beinhalten die Öffnung von Grenzübergängen für humanitäre Gütertransporte aus dem Tschad, die Ermöglichung von humanitären Flügen sowie die Einführung strikterer Regeln zum Schutz der Zivilbevölkerung seitens der Rapid Support Forces. Die Schweiz setzt sich weiterhin im Rahmen der ALPS-Gruppe ein, um die Umsetzung dieser Zusagen vor Ort voranzutreiben.

Darüber hinaus hat sich der Schweizer Sondergesandte für das Horn von Afrika für eine Lösung der Sudan-Krise eingesetzt. Durch häufige Kontakte und Öffentlichkeitsarbeit in der Region hat er ein breites Netzwerk für die Schweiz aufgebaut. Zudem entsandte die Abteilung Frieden und Menschenrechte (AFM) des EDA im September 2024 eine Beraterin für menschliche Sicherheit für den Sudan in die Region. Mit dieser Entsendung kann sich die AFM nun breiter friedenspolitisch einsetzen.

Kontakt

Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA)
Eichenweg 5
3003 Bern