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MitteilungVeröffentlicht am 17. September 2025

Venezuela: Humanitäre Hilfe angepasst und neu gedacht

Grosse Armut, Hunger, das medizinische System am Boden, Krankheiten: Venezuela steckt seit Jahren in einer humanitären Krise. Dabei ist die Ursache weder ein Krieg noch eine Natur-katastrophe: Grund für die Krise im ehemals prosperierenden Land ist die politische Situation. Vor diesem Hintergrund sind neue Formen der Unterstützung gefordert. Seit zwei Jahren ist Beat von Däniken als Kooperationschef in Venezuela im Einsatz.

Beat posiert mit einem Vertreter einer NGO.

Seit 2023 bin ich hier in Venezuela als Kooperationschef im Einsatz. Mein Werdegang umfasst Stationen in der Zentrale, in der Ukraine, in Peru und Jordanien. Obwohl Venezuela über die grössten nachgewiesenen Erdölreserven der Welt verfügt, leiden im viertärmsten Land in Lateinamerika viele Menschen Hunger. Politische Spannungen, Sanktionen und Korruption haben im südamerikanischen Staat zu einer tiefen Rezession, Hyperinflation und einer Armutsquote von rund 70 Prozent geführt.

Die Arbeit ist herausfordernd. Wir verfügen nicht einmal über aktuelle Bevölkerungszahlen und offizielle Daten zur humanitären Situation.
Beat von Däniken

Die Arbeit ist herausfordernd. Wir verfügen nicht einmal über aktuelle Bevölkerungszahlen und offizielle Daten zur humanitären Situation. Die Regierung veröffentlicht keine solchen Informationen. Von den ehemals rund 30 Millionen Einwohnern – diese Zahl variiert je nach Quelle –, haben in den vergangenen Jahren 7.9 Millionen Personen das Land verlassen. Die Migrationspolitik in den USA zwingt jedoch immer mehr Menschen, wieder nach Venezuela und in andere Auffangländer in der Region zurückzukehren. Diese Veränderungen bringen neue Herausforderungen mit sich.

In diesem Umfeld versuchen wir seit Jahren, Hilfe zu leisten. Mit neuen Ansätzen in der Zusammenarbeit gelingt es nicht selten, im Rahmen von humanitären Aktivitäten Türen für die Friedensförderung oder die diplomatischen Anliegen zu öffnen – und umgekehrt.

Die Hilfe wird in diesem Land sehr stark politisiert. Das Misstrauen gegenüber humanitären Organisationen und die Kontrolle sind gross. Umso wichtiger ist es, dass wir uns hier in der Botschaft abstimmen. Es ist ein enges Zusammenspiel zwischen Diplomatie, humanitärer Hilfe und Friedensförderung. Wir teilen Kontakte, Erfahrungen und stimmen unsere Massnahmen miteinander ab. So können wir bestmöglich auf die Herausforderungen eingehen.

Mit neuen Ansätzen in der Zusammenarbeit gelingt es nicht selten, im Rahmen von humanitären Aktivitäten Türen für die Friedensförderung oder die diplomatischen Anliegen zu öffnen – und umgekehrt.
Beat von Däniken

Ein Beispiel: Wir wollten in Absprache mit dem nationalen Zivilschutz ein Projekt im Bereich Reduktion von Katastrophenrisiken umsetzen. Der Start war eher steinig. Trotz mehrerer Treffen mit den zuständigen Vizeministerium war anfangs alles blockiert. Im Rahmen eines Treffens mit dem zuständigen Innenministerium konnte unser Botschafter das Projekt schliesslich anstossen. Das Treffen hat vom plötzlich alle Türen geöffnet und eine wichtige Vertrauensbasis geschaffen.

Allgemein hat die Schweiz hier in Venezuela eine besondere Rolle. Während andere Länder ausgestiegen sind und nach den politischen Krisenjahren ihre Vertretungen geschlossen haben, ist die Schweiz geblieben. Zudem wurde die Schweizer Präsenz in Venezuela durch Schweizer Expertinnen und Experten, die der UNO zur Verfügung gestellt wurden, gestärkt. Dennoch müssen auch wir uns regelmässig fragen, wie weit wir gehen können und wo wir gemeinsam etwas erreichen können?

Nationale und lokale Kapazitäten sollen gestärkt und die Nachhaltigkeit der Projekte sichergestellt werden. Gerade in den Bereichen Resilienz und der Reduktion von Katastrophenrisiken soll das Wissen zu den Menschen und lokalen Institutionen gelangen. Das bedeutet auch eine enge Zusammenarbeit mit den lokalen politischen Behörden. Dass diese von unserer Zusammenarbeit mit ihnen profitieren könnten, fordert behutsames Vorgehen unsererseits. Wir sind uns dieser Herausforderung bewusst und wissen, dass dafür viel Geduld und Durchhaltevermögen gefragt ist. Denn die gemeinsame Arbeit in Venezuela ist kein Sprint, sondern ein Langstreckenlauf. So lange wir aber eine Chance haben, den Unterschied zu machen, sind wir überzeugt, dass sich diese Geduld und das Durchhaltevermögen lohnen.

Kontakt

Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA)
Eichenweg 5
3003 Bern