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MitteilungVeröffentlicht am 6. Mai 2026

Vom Helsinki-Geist zum Algorithmus: Wie die Schweiz Antizipation in Zentralasien übt

Am 7. und 8. Mai 2026 lädt die Schweiz im Rahmen ihres OSZE-Vorsitzes nach Genf zur Konferenz «Antizipation von Technologien – für eine sichere und humane Zukunft» ein. Was an dieser Konferenz als politische Vision verhandelt wird, übt die DEZA seit über zwei Jahrzehnten in Zentralasien: die Verbindung von wissenschaftlicher Vorhersage und diplomatischer Praxis im Dienste grenzüberschreitender Wassersicherheit.

Hydrometeorologische Messstation mit Sensor und Solarpanel auf einem trockenen Feld in Usbekistan. Im Hintergrund schneebedeckte Berge Zentralasiens.

Eine Priorität mit operativer Vorgeschichte

Die «Antizipation von Technologien – für eine sichere und humane Zukunft» ist eine der fünf Prioritäten des Schweizer OSZE-Vorsitzes 2026. Die DEZA fördert diesen Ansatz seit Jahrzehnten. Mit den Programmen SAPPHIRE und Blue Peace setzt sie ihn in Zentralasien in die Praxis um – und ist Teil der Konferenz vom 7. und 8. Mai 2026 in Genf.

In der Schlussakte von Helsinki, die im August 1975 die Grundlage der heutigen Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) legte, hielten die Teilnehmerstaaten fest, dass wissenschaftlich-technische Zusammenarbeit ein wichtiger Beitrag zur Stärkung von Sicherheit ist. Genau diese Linie nimmt der Schweizer OSZE-Vorsitz 2026 wieder auf: Bundesrat Ignazio Cassis hat die «Antizipation von Technologien» zu einer der fünf Prioritäten erklärt – mit dem Anspruch, wissenschaftliche und diplomatische Werkzeuge so zu verbinden, dass aufkommende Technologien Vertrauen schaffen statt Spaltung.

Für die DEZA ist das keine theoretische Position. Seit über zwei Jahrzehnten arbeitet sie in einer der wasserpolitisch sensibelsten Regionen der Welt – in Zentralasien – daran, wie technologische Innovation und diplomatische Praxis konkret ineinandergreifen. Drei Themen zeigen, was Antizipation in der Praxis bedeutet.

Daten und Frühwarnung: das Programm SAPPHIRE

Fünf Staaten – Kasachstan, Kirgistan, Tadschikistan, Turkmenistan und Usbekistan – teilen sich zwei grosse grenzüberschreitende Flusssysteme, den Amu Darya und den Syr Darya, die im Tien Shan und Pamir entspringen. Klimawandel, demografisches Wachstum und intensive Bewässerungslandwirtschaft setzen diese Flüsse zunehmend unter Druck. Die Realität des schwindenden Aralsees ist nicht historische Mahnung, sondern die fortwirkende Erinnerung daran, was geschieht, wenn grenzüberschreitende Wassersysteme ohne kooperative Steuerung übernutzt werden.

Mit dem Programm SAPPHIRE Central Asia – «Smart and Precise Prognostic Hydrology for Innovative Risk Management and Resource Use Efficiency» – unterstützt die DEZA die Modernisierung der nationalen Hydrometeorologischen Dienste der Region. In Partnerschaft mit dem Schweizer Tech-Unternehmen Hydrosolutions in Zürich, einem Spinoff der ETH Zürich, entstehen Open-Source-Werkzeuge, die hochfrequente Sensordaten in tägliche Abflussprognosen übersetzen. In Kirgistan und Tadschikistan liefert das System bereits operative Vorhersagen; 2025 wurden eine Vereinbarung mit dem kasachischen Hydromet sowie eine Implementierungsvereinbarung mit Turkmenistan unterzeichnet, die eine Ausweitung auch in diese beiden Länder in Aussicht stellen.

Die sicherheitspolitische Dimension ist direkt: Wer früher und genauer weiss, welche Wassermengen kommen, kann besser über Verteilung verhandeln, Hochwasser vorbereiten und Konflikte um knappe Ressourcen vorbeugen.

Wasserdiplomatie: Blue Peace Central Asia

Daten allein erzeugen jedoch keinen Frieden. Mit Blue Peace Central Asia – seit 2025 in zweiter Phase – widmet sich die DEZA der politischen Verarbeitung dieser Daten. Implementiert von einem Konsortium aus International Water Management Institute, International Union for Conservation of Nature und Regional Environmental Centre for Central Asia, fördert das Projekt regionale Wasserdiplomatie, technische Kooperation auf Becken-Ebene und institutionelles Vertrauen.

Konkret heisst das: regelmässige regionale Arbeitsgruppen zu Wasserqualität, gemeinsame Politikdialoge zwischen den fünf Hauptstädten, demonstrative Pilotprojekte an grenzüberschreitenden Nebenflüssen. Die übergeordnete Idee, die Blue Peace seit über einem Jahrzehnt verfolgt: die Transformation von Wasser von einer potenziellen Konfliktquelle in ein Instrument der Kooperation.

Die Generation von morgen

Nachhaltige Antizipation braucht institutionelle Tiefe. Das dritte Thema investiert in jene Wasserprofessionellen, die in zwanzig Jahren die Verantwortung tragen werden: ein regionales Master-Programm in Wasserdiplomatie wird gemeinsam mit Universitäten in den fünf Ländern entwickelt; Trainings für Lehrende laufen an 21 zentralasiatischen Universitäten, darunter die diplomatischen Akademien und die Akademien für öffentliche Verwaltung.

Schweizer Hochschulen sind eng eingebunden – die Universität Genf bringt Lehrinhalte zur Wasser-Energie-Nahrung-Verflechtung ein, die Universität Fribourg unterstützt die Glaziologie-Forschung im Tien Shan, die ETH Zürich ist über akademische Kooperationen verknüpft. Die Genfer Wasserdiplomatie-Tradition, verkörpert durch den Geneva Water Hub, bildet einen natürlichen Anker.

Was am 7. Mai zusammenkommt

Was diese drei Themen gemeinsam zeigen, ist eine bestimmte Auffassung von Antizipation: nicht eine technologische Disziplin allein, sondern die Verbindung dreier Zutaten – präziser Daten, politischer Praxis und institutioneller Kontinuität. Genau diese Verbindung steht im Zentrum der OSZE-Konferenz, zu der die Schweiz am 7. und 8. Mai nach Genf einlädt.

Dass die Konferenz am CERN beginnt und am IKRK schliesst, ist programmatisch: Beide Institutionen verkörpern die genferische Tradition, in der Wissenschaft und Diplomatie nicht getrennte Sphären sind, sondern sich gegenseitig befähigen. Die DEZA bringt in diese Konstellation ihre Feldarbeit mit – nicht als Theorie, sondern als zwei Jahrzehnte gelebte Erfahrung damit, was geschieht, wenn Daten, Diplomatie und Bildung in einer geopolitisch sensiblen Region zusammentreffen.

In genau diesem Sinn versteht die Schweiz die Trinität ihres OSZE-Vorsitzes 2026: Dialog, Vertrauen, Sicherheit. In Zentralasien wird sie geübt. In Genf, am 7. und 8. Mai, wird sie sichtbar.

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Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA)
Eichenweg 5
3003 Bern