Zwei Jahre Krise im Sudan: Unterstützung ist wichtiger denn je
Zwei Jahre nach Kriegsbeginn dauern die Kämpfe im Sudan an, und die humanitäre Krise der Bevölkerung ist dramatisch. Seit Beginn des Konflikts hat die Schweiz 128 Millionen Franken zur Unterstützung des Sudans und der Nachbarländer bereitgestellt, insbesondere für den Tschad, den Südsudan und Ägypten. Die Schweiz setzt sich für die Achtung des humanitären Völkerrechts und für einen Waffenstillstand ein. Am 15. April 2025 hat eine Schweizer Delegation in London an einer ministeriellen Konferenz zur Lage im Sudan teilgenommen.
Im Jahr 2025 ist die Lage im Sudan alarmierend. Während die Kämpfe zwischen den sudanesischen Streitkräften (SAF) und den Rapid Support Forces (RSF) seit April 2023 andauern, ist die Bevölkerung mit einer beispiellosen humanitären Krise konfrontiert. Hungersnot und Cholera breiten sich weiterhin aus und fordern Tausende von Todesopfern. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung – rund 24,6 Millionen Menschen - leidet unter akuter Ernährungsunsicherheit, und laut den Vereinten Nationen sind mittlerweile rund 30 Millionen Menschen auf humanitäre Hilfe angewiesen. Frauen, Kinder und marginalisierte Gruppen sind schweren Verstössen gegen das humanitäre Völkerrecht ausgesetzt, insbesondere durch weitverbreitete sexuelle Gewalt. Der Konflikt hat zudem zu massiven Vertreibungen geführt: 11,3 Millionen Menschen wurden innerhalb des Landes vertrieben, während 3,9 Millionen in Nachbarländer wie den Tschad, den Südsudan und Ägypten geflüchtet sind.
Ministerielle Sudan-Konferenz in London
Eine Delegation unter der Leitung der Direktorin der DEZA, Patricia Danzi, bestehend aus dem Sondergesandten der Schweiz für das Horn von Afrika, Sylvain Astier, sowie der stellvertretenden Direktorin der Abteilung Frieden und Menschenrechte des Staatssekretariats des EDA, Sybille Obrist, hat am 15. April 2025 an der Sudan-Konferenz in London teilgenommen. Das ministerielle Treffen bietet eine Plattform, um den Sudan-Konflikt und seine verheerenden humanitären Folgen zu besprechen. Ziel der Konferenz ist es, internationale Aufmerksamkeit und Unterstützung zu mobilisieren, eine gemeinsame internationale Position zur Konfliktlösung zu entwickeln und konkrete Schritte für besseren humanitären Zugang und effektivere Hilfe zu identifizieren.

Krise macht an den Grenzen nicht halt
Die Krise geht über die Grenzen des Sudans hinaus und betrifft auch die Nachbarländer – Tschad, Ägypten und Südsudan – die mit einem Zustrom von Geflüchteten konfrontiert sind, was einen enormen Druck auf die ohnehin schon sehr fragilen Infrastrukturen ausübt. Bei einem Besuch im Südsudan im Januar 2025 erklärte DEZA-Direktorin Patricia Danzi: «Der Krieg im Sudan verschärft die Situation der Aufnahmebevölkerung im Norden des Südsudans und in den anderen Nachbarländern. Er hat verheerende Auswirkungen auf die Wirtschaft und die Inflation. Es ist deshalb enorm wichtig, einen Beitrag zu einem Waffenstillstand und einem Frieden zu leisten.»
Abgesehen von diesen humanitären Herausforderungen bleibt auch die politische Transition komplex. Das Land scheint sich unter der Führung von zwei Regierungen aufzuspalten. Am 5. März 2025 haben die Rapid Support Forces (RSF) und ihre alliierten Parteien die «Charta von Nairobi» unterzeichnet und eine Parallelregierung sowie eine neue Verfassung ausgerufen. Die sudanesischen Streitkräfte hingegen haben damit begonnen, eine Zivilregierung einzusetzen.
Die Schweiz mobilisiert finanzielle Mittel und Expertise
Die Schweiz verfolgt die Entwicklung der humanitären Lage im Sudan und die Auswirkungen auf die Nachbarländer aufmerksam. Seit November 2024 koordiniert die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) ihre operative Tätigkeit von der Schweizer Botschaft in Kairo aus. Für Kathrin Wyss, Chefin Internationale Zusammenarbeit für den Sudan, ist es dank der Stationierung in Kairo einfacher, in den Sudan zu reisen, die von der Schweiz unterstützten Aktivitäten aus nächster Nähe zu verfolgen und schnell auf die aktuelle Entwicklung der Lage zu reagieren.
Bei ihrem letzten Einsatz vor Ort im Dezember 2024 besuchte sie Kassala im Osten des Landes, wo viele Binnenvertriebene und Flüchtlinge aus Eritrea und Äthiopien Zuflucht suchen. «Neben Nothilfe gibt es auch verschiedene langfristige Projekte, die es Menschen ermöglichen, eine eigene Existenz aufzubauen und zu sichern. Solche Chancen bieten sich auch da, wo man sie nicht erwarten würde, zum Beispiel in Darfur», erklärt sie. Kathrin Wyss erzählt auch, wie die Partner mit der lokalen Bevölkerung zusammenarbeiten, zum Beispiel für den Bau und Unterhalt von Strassen, die den Zugang zu Märkten erschliessen.

Sie betont zudem: «Der Konflikt im Sudan ist auch in Ägypten sehr präsent, und dies war bereits vor Kriegsausbruch der Fall. Das neue DEZA-Büro in Kairo kann deshalb auf der Expertise des Teams in Ägypten aufbauen, das seit Langem im Bereich Migration engagiert ist. Gleichzeitig gilt es, den Kontakt nach Nairobi zu pflegen, wo sich der Humanitäre Hub für den Sudan befindet, wie auch zahlreiche wichtige Partner für die DEZA einschliesslich zwei weitere Mitarbeitende des EDA, die sich ebenfalls mit dem Sudan befassen. Es fehlt nicht an Arbeit: Zwei neue Programmverantwortliche haben gerade ihre Arbeit aufgenommen, während die Einrichtung ihrer Büros noch läuft.»
Bei ihrer Antwort auf diese Krise verfolgt die Schweiz einen regionalen Ansatz, bei dem sie alle involvierten Einheiten des EDA an der Zentrale und vor Ort einbezieht. Bisher wurden für den Sudan und die Nachbarländer 128 Millionen Franken gesprochen. Diese Mittel wurden auf UNO-Organisationen, das IKRK und internationale NGOs aufgeteilt. Dieser Betrag beinhaltet 24 Millionen Franken, die für das Jahr 2025 bereitgestellt werden, wobei 17 Millionen für den Sudan und 7 Millionen für den Tschad, den Südsudan und Ägypten vorgesehen sind. Die Schweiz hat auch mehreren Organisationen (OCHA, UNHCR, WHO, IOM, WFP, Médecins sans frontières/MSF und Mercy Corps) zur Unterstützung ihrer Arbeit vor Ort Expertinnen und Experten des Schweizerischen Korps für humanitäre Hilfe zur Verfügung gestellt, auf die Bereiche Trinkwasser, Sanitärversorgung und Hygiene sowie Schutz der Bevölkerung und Gesundheit die spezialisiert sind.
Diplomatisches Engagement für den Frieden
Auf diplomatischer Ebene engagiert sich die Schweiz für die Achtung des humanitären Völkerrechts, den Schutz der Zivilbevölkerung, einen schnellen, ungehinderten Zugang für humanitäre Hilfe zu Konfliktgebieten und einen Waffenstillstand. Im Juli 2024 war die Schweiz in Genf Gastgeberin für Verhandlungen unter der Federführung der USA über einen Waffenstillstand zwischen den sudanesischen Streitkräften und den Rapid Support Forces. «Die Schweiz hat eine Plattform geboten und wird weiterhin versuchen, die Parteien an den Verhandlungstisch zu bringen», bekräftigte Patricia Danzi nach ihrer Rückkehr aus dem Südsudan im Januar 2025. Erneut zugesichert wurde dieses Engagement auch beim Treffen zum Sudan, das die Europäische Union am 13. März 2025 in Brüssel organisiert hatte.
Sudan: Eine Priorität der Schweizer Friedenspolitik
Seit Juli 2023 beherbergt die Schweiz im Rahmen ihrer Guten Dienste vertrauliche Dialoge zwischen den zivilen Parteien des Sudan, um die Erfolgsaussichten von offiziellen Verhandlungen über die politische Zukunft des Sudan nach dem Krieg zu verbessern. Auf Initiative der USA hat das EDA zudem im August 2024 in der Schweiz eine Friedenskonferenz ausgerichtet. Das Nichterscheinen einer Kriegspartei verunmöglichte damals jedoch Waffenstillstandsgespräche. Die Konferenz fokussierte daher auf den humanitären Zugang und den Schutz der Zivilbevölkerung im Krieg. Aus diesen Gesprächen ging eine diplomatische Koalition unter dem Namen ALPS (Aligned for Advancing Life Saving and Peace in Sudan) hervor, welche die USA, die Schweiz, die Vereinigten Arabischen Emirate, das Königreich Saudiarabien, Ägypten, die UNO und die Afrikanische Union umfasst. Mit ihrem gemeinsamen diplomatischen Einsatz hat die ALPS-Gruppe seither konkrete Zusagen der Kriegsparteien erwirken können. Diese beinhalten die Öffnung von Grenzübergängen für humanitäre Gütertransporte aus dem Tschad, die Ermöglichung von humanitären Flügen, sowie die Einführung strikterer Regeln zum Schutz der Zivilbevölkerung seitens der Rapid Support Forces. Die Schweiz setzt sich weiterhin im Rahmen der ALPS-Gruppe ein, um die Umsetzung dieser Zusagen vor Ort voranzutreiben.
Darüber hinaus hat sich der Schweizer Sondergesandte für das Horn von Afrika für eine Lösung der Sudan-Krise eingesetzt. Durch häufige Kontakte und Öffentlichkeitsarbeit in der Region hat er ein breites Netzwerk für die Schweiz aufgebaut. Zudem entsandte die Abteilung Frieden und Menschenrechte (AFM) des EDA im September 2024 eine Beraterin für menschliche Sicherheit für den Sudan in die Region. Mit dieser Entsendung kann sich die AFM nun breiter friedenspolitisch einsetzen. Dies ergänzt die Guten Dienste und die humanitäre Diplomatie der Schweiz im Rahmen der ALPS-Gruppe.
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