Somalia
Die Schweiz engagiert sich seit den 1990er-Jahren in Somalia und am Horn von Afrika. Aufbauend auf ihrer langjährigen Präsenz und ihren Partnerschaften unterstützt die Schweiz die Friedensförderung, die humanitäre Hilfe und die langfristige Entwicklung, wobei Inklusion und lokale Eigenverantwortung im Vordergrund stehen. Das Schweizer Kooperationsprogramm 2026–2029 umfasst Somalia, einschliesslich Somaliland, und die angrenzenden ariden und semiariden Gebiete (ASAL) im Nordosten Kenias und im Südosten Äthiopiens.

Kontext Somalia
Somalia liegt nach wie vor in einer der fragilsten Regionen der Welt. Jahrzehntelange Konflikte, institutionelle Schwächen und politische Zersplitterung beeinträchtigen die Lebensgrundlagen der Menschen, führen zu Vertreibungen und schränken den Zugang zur Grundversorgung ein. Der Klimawandel verschärft diese Herausforderungen zusätzlich, da wiederkehrende Dürren und Überschwemmungen das Land heimsuchen, in dem viele Menschen von Landwirtschaft und Viehzucht leben. Gleichzeitig verzeichnet Somalia Fortschritte beim Wiederaufbau nationaler und lokaler Institutionen sowie bei der Wiederaufnahme internationaler Beziehungen. Ein dynamischer Privatsektor und eine engagierte Diaspora investieren in Menschen und Infrastruktur. Die Hoffnung liegt dabei auf der Jugend, denn fast drei Viertel der Bevölkerung sind unter 30 Jahre alt.
Frieden und Gouvernanz
Die Schweiz fördert das friedliche Zusammenleben als Voraussetzung für die Staatsbildung und für eine inklusive, rechenschaftspflichtige und finanziell tragbare Gouvernanz. Sie stärkt die Fähigkeit der Gemeinschaften, in einen Dialog zu treten, an Entscheidungsprozessen teilzunehmen und Behörden zur Rechenschaft zu ziehen. Gleichzeitig unterstützt sie Institutionen dabei, im Rahmen geeigneter nationaler und subnationaler Rahmenbedingungen gerechte Versorgungssysteme aufzubauen. Grosser Wert wird auf die Eigenverantwortung und Führungsrolle der lokalen Akteure gelegt. Dabei werden der lokale Dialog zur Friedenskonsolidierung, der Schutz des zivilgesellschaftlichen Raums und ein evidenzbasiertes politisches Engagement miteinander verknüpft.
Menschliche Entwicklung
Die humanitären Bedürfnisse in Somalia sind aufgrund von Konflikten, wiederkehrenden Klimaschocks und anhaltenden Vertreibungen nach wie vor hoch. Die Schweiz kombiniert humanitäre Hilfe, Entwicklungszusammenarbeit und Politikdialog, um widerstandsfähige, lokal geführte Versorgungssysteme zu stärken. Gleichzeitig soll Somalia in der Lage sein, rasch auf neue Krisen zu reagieren. Im Zentrum des Schweizer Engagements stehen der Zugang zu Gesundheits- und Wasserversorgung sowie dauerhafte Lösungen für die von Vertreibung betroffenen Gemeinschaften. Die Schweiz fördert lokale Kapazitäten und nachhaltigere Systeme, um Somalia langfristig unabhängiger zu machen. Das Programm unterstützt auch das Migrationsmanagement, das zu einer sicheren regulären Migration beiträgt.
Klimaresiliente Wirtschaftsentwicklung
Die somalische Wirtschaft hängt stark von klimasensiblen Sektoren wie Landwirtschaft und Viehzucht ab. Fragmentierte Märkte, der eingeschränkte Zugang zu Finanzmitteln und schwache Wertschöpfungsketten behindern ein inklusives Wachstum. Die Schweiz unterstützt Haushalte und Unternehmen bei der Einführung klimafreundlicher Produktionsmethoden, bei der Diversifizierung ihrer Einkommensquellen sowie beim Zugang zu sauberer Energie und nachhaltiger Finanzierung. Anhand eines marktorientierten Ansatzes stärkt das Programm wichtige Wirtschaftssektoren, insbesondere die Landwirtschaft und die Viehzucht, und fördert Kleinunternehmen sowie die wirtschaftliche Teilhabe von Frauen und Jugendlichen. Ausserdem unterstützt die Schweiz politische und institutionelle Reformen im Hinblick auf einen fairen Wettbewerb, mehr Transparenz, den gleichberechtigten Zugang zu Ressourcen, die Stärkung grenzüberschreitender Märkte und eine regionale wirtschaftliche Integration.
Geschlechtergleichstellung, gute Regierungsführung und Klimawandel sind feste Bestandteile des gesamten Programms. Die Schweiz legt besonderen Wert darauf, die Rolle von Frauen und jungen Menschen in Entscheidungsprozessen und im wirtschaftlichen Leben zu stärken. Sie fördert die aktive Beteiligung an unternehmerischen Aktivitäten, wichtigen Wertschöpfungsketten und lokalen Märkten. Gute Regierungsführung wird systematisch gefördert, um transparente, rechenschaftspflichtige und inklusive Institutionen und Prozesse zu stärken. Die von der Schweiz unterstützten Aktivitäten umfassen, wo immer möglich, auch Massnahmen zur Anpassung an den Klimawandel und zu dessen Eindämmung, wobei negative Auswirkungen auf die Umwelt vermieden werden sollen.
Ansatz und wichtigste Partner
Die Schweiz setzt ihr Programm in Somalia, einschliesslich Somaliland, sowie in den angrenzenden ariden und semiariden Gebieten im Nordosten Kenias und im Südosten Äthiopiens um. Der Fokus liegt auf drei grenzüberschreitenden Handels- und Migrationskorridoren, die ländliche Produktionsgebiete mit städtischen Zentren verbinden. Die Schweiz verfolgt einen flexiblen, konfliktsensiblen Ansatz. Bei ihren Partnerschaften achtet sie auf eine ausgewogene Kombination: Sie bezieht vermehrt lokale Organisationen und den Privatsektor ein, zugleich setzt sie die Zusammenarbeit mit multilateralen Akteuren fort. Zu den wichtigsten Partnern zählen NGOs, UNO-Organisationen und privatwirtschaftliche Akteure sowie gemeinnützige Organisationen, Hochschulen, Forschungseinrichtungen und staatliche Institutionen aus der Schweiz.
Die wichtigsten Partner der Schweiz am Horn von Afrika sind:
- Schweizer Nichtregierungsorganisationen (NGO) und Institutionen;
- Nationale und regionale Institutionen: Ministerien, Provinz-, Bezirks- und Lokalverwaltungen, die IGAD und lokale Entwicklungsfonds;
- Internationale und lokale NGO und Organisationen;
- Multilaterale Partner: das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK), das Welternährungsprogramm (WFP), das Hochkommissariat für Flüchtlinge der Vereinten Nationen (UNHCR), das Büro der Vereinten Nationen zur Koordinierung humanitärer Angelegenheiten (UNOCHA), die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO), das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP) und die Weltgesundheitsorganisation (WHO);
- Lokale Privatsektor;
- Andere Geberländer.
Kontakt
Eichenweg 5
3003 Bern



